Rezensionen

Umzug auf www.dasendedessex.de

Liebe Leute, am 1. Juni 2013 ist dieses Blog umgezogen. Ihr findet es von nun an unter der Domain www.dasendedessex.de. Dort findet Ihr dann – wie gewohnt – regelmäßig Beiträge rund um Biologie und Geschlecht sowie zu konkretem Streiten gegen Gewalt im Zweigeschlechtersystem. Dort werden auch die Listen zu lesenswerter Literatur, zu Rezensionen, zu eigenen Büchern und Vorträgen weiter aktualisiert. Bitte aktualisiert eure Verlinkung auf: www.dasendedessex.de – lieben Dank! Liebe Grüße Heinz / Heinz-Jürgen Voß

Biologie & Homosexualität: Übersicht über erschienene Rezensionen

Susanne Billig hat „Biologie & Homosexualität: Theorie und Anwendung im gesellschaftlichen Kontext“ auf Deutschlandradio Kultur rezensiert. Susanne Billig schreibt unter anderem: „Präzise fühlt der Autor auch den jüngsten biologischen Begründungen auf den Zahn. Weder die Hirnforschung (Region INAH3 im Hypothalamus) noch die molekulare Genetik (das „Schwulen-Gen“ Xq28) vermögen ihn zu überzeugen. Zu vage ist die Datenlage, zu gewollt die Interpretation. Für naiv hält Heinz-Jürgen Voß allerdings auch die Hoffnung der Szene, mit dem Verweis auf die biologische Natürlichkeit homosexuellen Verhaltens die Diskriminierung einzudämmen. […] Heinz-Jürgen Voß ist keiner, der populärwissenschaftlich auf die Pauke haut. Auch sein neues Buch führt er nah an fachwissenschaftlichen Gepflogenheiten. […] und seine spannenden Recherche-Früchte präsentiert der Autor auf schmalen 88 Seiten.“ Susanne Billig, Deutschlandradio Kultur, 18.3.2013 (vollständig lesen) In der Audio-Version (live im Radio) hebt Susanne Billig zusätzliche Punkte hervor und schließt: „Die ganze Debatte um Sexualität ist so von Befindlichkeiten und Bauchgefühlen überzogen – da macht es natürlich Sinn auch so ein Buch eher ganz solide, eher ganz faktengetreu anzulegen.“ anhören (mp3)

Auf MDR Figaro – Das Kulturradio (Sendung vom 31. Mai 2013) heißt es zum Buch: „Ist Homosexualität angeboren? Gibt es ein ’schwules‘ Gen? Oder gar eine homosexuelle Gehirnregion? Diese Fragen versuchen zahlreiche Studien seit Jahrzehnten zu klären – bislang ohne Erfolg. Dr. Heinz-Jürgen Voß wundert das nicht. In seinem Buch „Biologie & Homosexualität – Theorie und Anwendung im gesellschaftlichen Kontext“ wirft der Biologe einen Blick in die Geschichte und beleuchtet dabei, wie stark Sexualität und Wissenschaft verstrickt sind.“ Die Einordnung des Buches durch Sophia Geß, in Zusammenhang mit einem Interview, lässt sich hier anhören (mp3-Datei).

Markus Chmielorz hat das Buch auf seiner Homepage besprochen und führt unter anderem aus: „Eine weitere Station ist nun der von Heinz-Jürgen Voß vorgelegte kleine Band mit dem Titel “Biologie und Homosexualität” […], der damit eine im besten Sinne emanzipatorische und aufklärerische Tradition fortsetzt.“ Die vollständige Besprechung findet sich hier online.

In der Münster’schen Zeitschrift für Lesben „Lexplosiv“ wurde das Buch besprochen: „Das im handlichen Format erschienene Buch beleuchtet auch für Laien verständlich die Hintergründe der verschiedenen Theorien, erklärt die Zusammenhänge und stellt die immer noch starren gesellschaftlichen Geschlechterkategorien zu Recht in Frage. Und wer sich näher mit dem Thema befassen möchte: am Ende des Buches gibt es eine ausführliche Literaturliste.“ Lexplosiv, Nr. 44, S.17;

Ulrike Kümel rezensierte „Biologie & Homosexualität“ auf Queer.de und schreibt unter anderem: „In seinem Band ‚Biologie & Homosexualität‘ beschäftigt sich Heinz-Jürgen Voß mit der noch immer ergebnislosen Forschung nach der ‚Ursache‘ der gleichgeschlechtlichen Liebe. [… Das Buch] bietet für Wissenschaftler_innen eine gute Arbeitshilfe. Es ist dennoch für interessierte Laien leicht verständlich, weil es gut gegliedert und lesbar geschrieben ist; zudem befindet sich am Ende eine ‚zusammenfassende Darstellung der zentralen Studien zur Biologie männlicher (und weiblicher) Homosexualität‘.“ Queer.de, hier online;

Gundula Hase schreibt in ihrer Buchempfehlung auf Die andere Welt: „Heinz-Jürgen Voß […] stellt heraus, dass Homosexualität historisch ein neues Konstrukt ist – Jahrtausende lang dachten Menschen weder heteronormativ noch zweigeschlechtlich, so dass keine Bedarf an der Erfindung einer homosexuellen Identität bestand. Es ist ein kleines und sehr kompakt geschriebenes Buch.“ Die andere Welt, hier online;

Zoltan Carnowasch schreibt als Rezension bei Amazon unter anderem: „Außergewöhnlich gut wird in diesem schmalen Band das ganze (populär-)wissenschaftliche Geschwafel rund um die Ursachen von Homosexualität hinterfragt, kritisiert und enttarnt.“ Und Gebirgsziege schließt an gleichem Ort an: „Das Büchlein ist zwar klein, gibt aber den aus meiner Sicht bislang fundiertesten Einblick in die biologischen Forschungen zu Homosexualität. Und es zeigt auch immer wieder, wie aus den Forschungsergebnissen medizinische Versuche abgeleitet wurden: Menschen wurden noch in der Bundesrepublik in Zwangssituation dazu genötigt, Eingriffe am Gehirn vornehmen zu lassen!“

Zum Buch (Verlagsseite).

Die Übersicht wird hier weitergeführt.

Buchempfehlung: „Stop Trans*-Pathologisierung“

Unbedingt empfehlenswert: „Stop Trans*-Pathologisierung“. Seit 2007 hat sich durch die internationale Kampagne „STP-2012″ der Kampf gegen die Pathologisierung, die institutionelle und alltägliche Gewalt gegen Trans*-Personen intensiviert. Dabei konnten von den streitenden Trans*-Menschen einige Erfolge erzielt werden – unter anderem gerade in Bezug internationale Vernetzung, kommunalen Aktivismus und intersektionale Weiterentwicklung der Forderungen.

Der vorliegende Band bereitet die neueren Entwicklungen auf dem aktuellen Stand der wissenschaftlichen Theoriebildung und des politischen Aktivismus auf. Die Autor_innen heben dabei deutlich heraus, wie gerade die Institution Medizin an der Gewalt und Unterdrückung von Trans*-Personen Anteil hat, dadurch dass sie Trans*-Menschen als „krank“ stigmatisiert. Die Medizin ist dabei in aktuelle normalisierende gesellschaftliche Entwicklungen eingebunden. D. Demiel schreibt dazu im Band:

„Die heutige Neubelebung stigmatisierender Zuschreibungen gegen Trans* genauso wie insbesondere gegen die so genannten Verlierer_innen der Konkurrenz- bzw. Leistungsgesellschaft darf nicht weiter zugelassen, der Rechtsruck der Gesellschaft nicht weiter stillschweigend in Kauf genommen, Vorurteile dürfen nicht weiter reproduziert bzw. Ängste nicht mehr geschürt werden. Es gilt, die Ursachen und Verursacher_innen für komplexe soziale Probleme klar zu benennen und vereinfachende Lösungsansätze […] abzulehnen. Rassismus und Ausgrenzung sind Standbeine einer Wirtschaftslogik, die Menschen auf ihren bloßen ‚Nutzen‘ (Mehrwert) bzw. ihre ‚Verwertbarkeit‘ reduziert, sie erpressbar und manipulierbar macht sowie sie entsolidarisieren soll.“ (S.21)

Insgesamt bietet der Band einen wichtigen fundierten Überblick und macht klar, dass Streiten, das erfolgreich sein soll, 1) international vernetzt, 2) kommunal verankert und 3) intersektional – also mit Blick auf die Verschränkung von Rassismus, Sexismus und Klassismus – erfolgt.

Anne Allex (Hg.)
Stop Trans*-Pathologisierung

Berliner Beiträge für eine internationale Kampagne
ISBN 978-3-940865-36-6 I 2012 I 9,50 EUR
Verlagsinformationen

Lehr- und Lernmaterialien für den Schulunterricht: Mathematik / Naturwissenschaft / Gender und Diversity

Es sind einige neue und gute Schulmaterialien mit praktischen Handreichungen erschienen, mit Blick auf Gender- und Diversity-Kompetenz – gegen rassistische und sexistische Diskriminierung -und dabei auch explizit für den Mathematik- und den naturwissenschaftlichen Unterricht:

1) Genderkompetenz im Mathematikunterricht: Fachdidaktische Anregungen für Lehrerinnen und Lehrer
…wendet sich den gesellschaftlichen Vorurteilen bzgl. unterschiedlicher Fähigkeiten von Jungen und Mädchen zu und regt Lehrer_innen an, diese zu reflektieren…
Das Material ist hier als pdf-Datei verfügbar.

2) Gender_Diversity-Kompetenz im naturwissenschaftlichen Unterricht: Fachdidaktische Anregungen für Lehrerinnen und Lehrer
…fasst für die naturwissenschaftlichen Fächer Biologie, Chemie und Physik die neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse zusammen und regt den tolerierenden Umgang auch mit geschlechtlicher Vielfalt an.
Das Material als pdf-Datei.

Schließlich gibt es noch einige weitere neue sehr gute Materialien, die sich allgemein der Anerkennung von Vielfalt in der Schule zuwenden:

3) Vielfalt, Integration, Zusammenleben. Unterrichtsmaterialien für die 7. und 8. Schulstufe
Download

4) ICH- DU- WIR. Unterrichtsvorschläge und Projekte für die schulische und grenzüberschreitende Auseinandersetzung mit Diversität
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5) Ganz schön intim: Sexualerziehung für 6 – 12 Jährige – Unterrichtsmaterialien zum Download
Download

Queere Bestandsaufnahme: Rezension des Buches „Que[e]r zum Staat“

Cover Queer zum Staat - Querverlag
Rezension von: Helga Haberle, Katharina Hajek, Gundula Ludwig, Sara Paloni (Hrsg.): Queer zum Staat: Heteronormativitätskritische Perspektiven auf Staat, Macht und Gesellschaft. Berlin: Querverlag (2012, 227 Seiten, broschiert, 14,90 EUR). Zuerst veröffentlicht in den Rosigen Zeiten (www.rosige-zeiten.net).
 

Die aktuellen kapitalistischen gesellschaftlichen Verhältnisse sind durch eine Flexibilisierung und Individualisierung der Lebensbereiche gekennzeichnet. Insbesondere bzgl. Geschlecht und Sexualität werden die Veränderungen von Menschen als konkrete Befreiungen erlebt: So ist gleichgeschlechtliches sexuelles Tun nicht mehr strafbar. Dem „alten patriarchalen Modell [wurden] Rechte und Freiheiten abgerungen“ (Wagenknecht 2005) – dafür waren konkrete Kämpfe von Menschen nötig, insbesondere der Frauen-/Lesbenbewegung. Gleichzeitig zeigt sich, dass durch diese Veränderungen die kapitalistische Gesellschaftsordnung nicht erschüttert wird. Vielmehr können die flexibilisierten und individualisierten Individuen zum aktuellen Entwicklungsstand des Kapitalismus sogar noch intensiver ausgebeutet werden. Es bleibt dem Kapitalismus damit nicht einfach „völlig äußerlich“, was die Individuen tun, wie Volkmar Sigusch in „Neosexualitäten“ (2005) vermutete, sondern die derzeitige Aktualisierung ermöglicht es, „individuelle Kreativität auszubeuten“, „kollektive Widerstände zu verhindern“ und sie bedeutet, die „Verwandlung von allem und jedem in Waren, einschließlich der menschlichen Sinnlichkeit“ (Wagenknecht 2005). Anknüpfend an Leo Kofler lässt sich weiter festhalten, dass die aktualisierten kapitalistischen gesellschaftlichen Verhältnisse „erotische – und das heißt hier vornehmlich sexuelle – Freiheit versprech[en] und formell auch gewähr[en], aber allein zu dem Zweck, um das Individuum über die psychischen Prozesse der Verinnerlichung und der Identifikation um so stärker an die repressive Ordnung zu fesseln, damit der bestehenden Unterdrückung Dauer zu verleihen.“ (Kofler 1985)

Vor dem Hintergrund der Diagnose, dass gesellschaftliche Kämpfe gut in Herrschaftsverhältnisse integrierbar sind, finden aktuell emanzipatorische Positionsbestimmungen statt. „Que[e]r zum Staat: Heteronormativitätskritische Perspektiven auf Staat, Macht und Gesellschaft“ ist eine solche, die insbesondere eine Analyse der Veränderungen bezogen auf Staatstheorien anbietet. Die Autor_innen des Sammelbandes gehen hierbei von Beschreibungen aus, dass die Europäische Union „toleranter“ werde, insbesondere bezogen auf geschlechtliche Identität und sexuelle Orientierung. Dabei führt Volker Woltersdorff sehr richtig an, dass diese hegemoniale Durchsetzung von „Toleranz“ zwischen „innen“ und „außen“ unterscheidet, mit „Instrumenten wie Green Card oder Frontex“ werde etwa zwischen „erwünschten und unerwünschten Arbeitssubjekten“ unterschieden (S. 129), also Rassismus mit vielen Toten staatlich durchgesetzt. (mehr…)

Rezensionen von „Interventionen gegen die deutsche „Beschneidungsdebatte“"

Hier findet sich eine kurze Übersicht über Rezensionen zu „Interventionen gegen die deutsche „Beschneidungsdebatte“":

Das Fachportal MiGAZIN, ausgezeichnet mit dem Grimme Online Award 2012, empfiehlt „Interventionen gegen die deutsche „Beschneidungsdebatte“ als „Buchtipp zum Wochenende“. Es stellt dabei einen Exklusivauszug vor, „Die Beschneidungsdebatte bedeutet eine neue Eskalationsebene des Diskurses der »Integration«, der in der Bundesrepublik nach den Pogromen der frühen 1990er Jahre dominant zu werden begann und mit den geistigen und faktischen Brandstifter_innen von damals und heute die Prämisse teilt, dass die Realität von Migration in Deutschland nichts zu suchen habe.“ weiter

Sonja Vogel hat in taz.die tageszeitung den Band „Interventionen gegen die deutsche „Beschneidungsdebatte“" sehr positiv besprochen. Unter dem Titel „In den Hosen der anderen“ zeichnet die taz-Kolumnistin die deutsche Beschneidungsdebatte und die dort geäußerten Vorannahmen Mehrheitsdeutscher nach. Zur Besprechung.

Lisa Krall besprach das Buch in der Zeitschrift „analyse & kritik“ (Februar 2013). Krall schreibt unter anderem: „Die drei AutorInnen liefern eine kritische Analyse und Hintergrundinformationen zu der Debatte, die von antimuslimischen und antisemitischen Tendenzen sowie Unwissen über Vorhautbeschneidungen geprägt war. […] Bleibt zu hoffen, dass sich eine kritische Auseinandersetzung gemäß dem Wunsch der AutorInnen über die Fachkreise hinaus etabliert – ein Blick in den kleinen Band lohnt sich dafür allemal.“ Zur vollständigen Rezension.

Koray Yılmaz-Günay hat Interventionen gegen die deutsche „Beschneidungsdebatte“ auf der Online-Rezensionsplattform „Kritisch lesen“ besprochen. In der Besprechung heißt es unter anderem: „Dem Wesen einer „Intervention“ entsprechend kommt das Buch erst nach einem ganz wesentlichen Teil der Debatte. Es ist aber sicher kein Buch, das „zu spät“ kommt. Denn in der Tat ist die „Beschneidungsdebatte“ weder ohne ihre Vorgeschichte und ihre Kontexte zu verstehen – noch wird sie der Schlusspunkt einer Auseinandersetzung um die Anerkennung der multiethnischen und multireligiösen Zusammensetzung der bundesrepublikanischen Gesellschaft sein. Es gibt keinen Anlass, die Regelung im Bürgerlichen Gesetzbuch für das Ende dieser Debatte zu halten. Die immer neue Auseinandersetzung um Geschlecht und Sexualität bei „Muslim_innen“ (Kopftuch, Hypermaskulinität, Homophobie, Zwangsverheiratungen, „Ehrenmorde“ et cetera) wie auch das immer weitere Aufweichen des anti-antisemitischen Grund-Konsenses der BRD stehen in einem Zusammenhang mit Debatten um die Neudefinition der deutschen Nation, die seit dem Ende der West-Ost-Konfrontation stattfinden. Ohne die „Sarrazin-Debatte“, die einer breiten Schicht gezeigt hat, wie viele Dämme schon gebrochen sind und was alles (wieder) denk- und sagbar ist, wäre das Gespräch um den kleinen Unterschied nie entstanden oder aber anders geführt worden. Die Erkundungstruppen dessen, wer unter welchen Umständen und in welchem Umfang zum neuen deutschen „Wir“ gehören darf – so viel lässt sich über den Zwischenstand sicher sagen –, kommen immer ungehaltener daher. Demgegenüber sind die hegemoniekritischen Beiträge in diesem Band nicht geschichtsvergessen. Sie sind nicht blind gegenüber aktuellen Ausprägungen von Rassismus und Antisemitismus. Sie sind patriarchatskritisch und in vielerlei Hinsicht (aus-)wegweisend in einem Umfeld, das zunehmend die Rede über etwas mit dem Etwas selbst verwechselt.“ zur vollen Rezension

Eine weitere Besprechung verfasste Ralf Buchterkirchen für Freitag.de und Verqueert.de. Darin würdigt er das Buch und schreibt unter anderem: „Das Buch wirft einen spannenden Blick auf eine emotional aufgeheizte und nicht selten rasstisch verlaufende Debatte […] Egal wie man in der Debatte steht, bietet der Band wichtige – und zudem wissenschaftlich fundierte! – Anregungen zum Weiterdenken. Er bietet zugleich die unabdingbare Grundlage, auf der man überhaupt nachdenken kann, wie emanzipatorische Religionskritik aussehen kann.“ Zur vollen Rezension bei Verqueert.de / bei Freitag.de.

G. Reinsdorf besprach „Interventionen gegen die deutsche „Beschneidungsdebatte“" bei „Denkladen“ und schreibt u.a.: „Heinz-Jürgen Voß setzt sich mit dem medizinischen Teil der Debatte auseinander, lässt den Forschungsstand Revue passieren, erörtert die Folgen einer Beschneidung für die Sensitivität des Penis und das Infektionsrisiko. Dabei kommt er zu dem Schluss, dass die Risiken ernster Komplikationen bei steriler und fachlich geeigneter Ausführung sehr gering sind. Die Stellungnahmen einiger ärztlicher Fachverbände kritisiert er in diesem Zusammenhang.“

In seiner Rezension für den „Humanistischen Pressedienst“ (hpd) mit dem Titel „Religionskritik als Sprachrohr des Rassismus“ schreibt Gunnar Schedel unter anderem: „Voß’ Argumentation [bereichert] mit seinem kritischen Blick auf die Auseinandersetzung um „medizinische Definitionsmacht“ die Debatte. […] Çetin & Wolter gehen davon aus, dass die ganze Kontroverse von ‚einem ehrgeizigen Juristen, der sich einen Namen machen wollte‘, lanciert wurde. Indem die Beschneidung in Frage gestellt werde, habe dies für Juden und Muslime zur Folge, ‚entweder illegal zu handeln oder das Land zu verlassen‘. Die ganze Diskussion sehen sie als ‚neue Eskalationsstufe des Diskurses der ‘Integration’‘, der darauf hinauslaufe, ‚dass die Realität von Migration in Deutschland nichts zu suchen habe‘.“ (http://hpd.de/node/14968)

„Gebirgsziege“ urteilt bei Amazon: „Wer die Kommentarspalten der letzten Wochen gelesen hat, war schlichtweg schockiert. Dort breitete sich ein vulgärer antimuslimischer und antisemitischer Hass aus. Daher ist dieses Buch wichtig. Es setzt diesem Hass etwas entgegen: Wissen! Den drei Autoren gelingt es sowohl den Debattenverlauf der „Beschneidungsdebatte“ in Deutschland minutiös nachzuzeichnen und sich fundiert mit Argumenten in der Debatte – aus Basis „Kritischer Theorie“ – auseinanderzusetzen. Im Anschluss daran wird auch den Vorannahmen in Bezug auf Empfindungsfähigkeit unbeschnittener und beschnittener Penisse der aktuelle medizinische Kenntnisstand entgegengestellt. Auch wenn damit letztlich wieder Medizin zentral bleibt, scheint auch die medizinische Argumentation in dieser Debatte nötig. Hochachtung für diesen klugen Band!“ (online)

Felix Riedel diskutierte den Band auf seinem Blog. Er formuliert die Assimilation der Juden als Ausweg aus der Problematik, dass in jüdischer Tradition die Vorhautbeschneidung als wichtig genommen wird. Die Forderung danach, dass auch jüdische Tradition in Deutschland möglich sein muss, bezeichnet er als „emanzipationsfeindlichen Zynismus“ – die Traditionen selbst als „Folklore“, der „in Deutschland ein Plätzchen freigeräumt worden“ sei. Konkret schreibt er zur Assimilation: „Historisch hat die Säkularisierung Europas den Juden die Möglichkeit zur Assimilation eröffnet, und dadurch Juden wiederum in Konflikt zum Judaismus treten lassen: Entstehungspunkt unter anderem des säkularen Zionismus und des Reformjudentums. Den gängigen Forschungsbefunden zufolge war es dieser Assimilationsprozess, den die modernen Antisemiten abwehrten und der für diese die nachträgliche rassistische Bestimmung des Jüdischen als Körpereigenschaft erforderlich machte – wozu die Beschneidung den Antisemiten ein eher willkommenes Hilfmittel war.“ Er fordert eine abstrakte Solidarität mit Israel ein – sowohl das Leben jüdischer Tradition in Deutschland als auch Antisemitismus in Deutschland erscheinen vor diesem Hintergrund zweitrangig; die Positionierungen des Zentralrats der Juden und Israels zur rassistischen deutschen Beschneidungsdebatte müssen vor einer solchen Einordnung nicht zur Kenntnis genommen werden.(http://nichtidentisches.wordpress.com, 25.12.2012)

„Buch des Monats“: Christine Buchholz rezensierte die „Interventionen“ in marx21 (Februar / März 2013). Sie schreibt u.a.: „Das kleine, handliche und verständlich geschriebene Buch liefert nicht nur wichtige sachliche Argumente. Es ist vor allem deshalb so wertvoll, weil es gezielt in die Debatte innerhalb der gesellschaftlichen Linken eingreift. Denn es gehört zu den Paradoxien der Beschneidungsdebatte, dass Politiker von CDU und FDP Ansichten im Sinne einer toleranten, multikulturellen Gesellschaft vertreten haben, während die Positionen, die praktisch die Religionsfreiheit infrage gestellt haben, aus den Reihen von SPD, Grünen und LINKEN kamen.“ Die vollständige Besprechung findet sich in der aktuellen „marx21″, die es an vielen Kiosken gibt (u.a. überall im Bahnhofsbuchhandel).

In der Online-Zeitschrift verrönscht und zugenetzt wurde das Buch wie folgt besprochen: „Das – schnell gelesene – Heft »will dazu anregen, hegemoniale Elemente in den eigenen Positionen festzustellen und sich selbst zu fragen: Wer kann an welcher Stelle und mit welchem Gewicht sprechen, wer nicht – und warum?« Wichtig ist diese Frage, um zu einer differenzierten Position in der »Beschneidungsdebatte« zu gelangen. Oft genug geht es wird das Problem nämlich auch in sich als emanzipatorisch verstehenden Kreisen auf ein Problem der »körperlichen Selbstbestimmung« gegen »Religion« verkürzt. Der Beitrag von Zülfukar Çetin und Salih Alexander Wolter entwickelt unter anderem über Horkheimer/Adorno und Foucault eine Position für das Recht auf Beschneidung, die von dieser Einfachheit weit entfernt ist.“ (vollständige Besprechung)

In Stimme – Zeitschrift der Initiative Minderheiten besprach Petra M. Springer das Buch „Interventionen gegen die deutsche „Beschneidungsdebatte““ und schreibt unter anderem: „Die Autoren weisen darauf hin, dass die Beschneidungsdebatte als Teil des Integrationsdiskurses zu sehen ist. Es werde nicht gleichberechtigt diskutiert und man könne nicht körperliche Selbstbestimmung und Religion einfach gegenüberstellen. Die Diskussion finde in einem gesellschaftlichen Rahmen statt, der von normativen Setzungen und von Herrschaft geprägt ist. Vor allem die westliche, weiße, primär männliche, heteronormative und christlich/protestantische Gesellschaft würde sich aufgrund der Beschneidung von Muslimen und Juden bedroht fühlen. Unter dem Deckmantel der Menschen- und Kinderrechte verberge sich letztendlich anti muslimischer Rassismus und latenter Antisemitismus.“ Petra M. Springer, in: Stimme – Zeitschrift der Initiative Minderheiten, Nr. 86, S.33.

Hagen Blix schreibt in der Zeitschrift der Österreichischen HochschülerInnenschaft unique (4/2013): „Im ersten Teil des Buches zeigen Zülfukar Çetin und Salih Alexander Wolter auf, dass das Verschmelzen von antimuslimischem Ressentiment und Antisemitismus in der Debatte kein Zufall ist. Die Grundstruktur der vorgebrachten Kritik ist von Argumentationsmustern einer protestantischen ‚Zivilisierungsmission‘ durchdrungen. […] Im zweiten Teil stellt der kritische Biologe Heinz-Jürgen Voß der ‚Wissenschaftlichkeit‘ der Beschneidungsgegner_innen eine Übersicht über medizinische Untersuchungen zur Beschneidung entgegen. Diese zeigen, dass deren Behauptungen so unhaltbar sind wie Vergleiche mit der Zwangsoperation Intersexueller oder weiblicher Genitalverstümmelung unangebracht und misogyn.“ zur vollständigen Rezension

In einer Besprechung des Buches in der Zeitschrift Rosen auf den Weg gestreut heißt es: „Mit Adorno, Horkheimer und Foucault arbeiten die Autoren die christliche Prägung des Konzepts der Religionsfreiheit, wie sie gegen die Beschneidung in Anschlag gebracht wird, heraus und kritisieren den normativen Anspruch der Wissenschaft in der kapitalistischen Gesellschaft. Im Alltag schlägt sich dieser in einem nicht nur fach-idiotischen Expertentum nieder […]. Der Band bietet wertvolle Argumente für Interventionen gegen den Antisemitismus und Rassismus, die in der Beschneidungsdebatte virulent geworden sind. Interventionen, die sich – auch wenn diese Debatte vorläufig vorbei ist – lohnen.“ (PDF-Volltext des insgesamt sehr empfehlenswerten Heftes)

ZAG – Antirassistische Zeitschrift bietet in Nummer 63 eine doppelseitige Schwerpunkt-Rezension des Buches von Andreas Nowak. Sie widmet sich zum Schluss den „Beschneidungsgegner_innen“ und fragt: „Was erhoffen sie sich durch die Abwertung anderer für sich selbst und welche Angebote machen sie an die Dominierenden und die Dominierten. Letztlich bleibt die Frage – und das ist die Gefahr – wie ihre Argumente in den dominanten Diskurs eingespeist werden und sich mit diesem amalgamieren, so dass diese Debatte womöglich nicht nur ein Sommertheater war, sondern eine tiefer greifende Veränderung der Diskurse und der Machtverteilung zuungunsten emanzipativer Kräfte bedeutet.“ Das Heft kann hier bestellt werden.

Die Übersicht wird hier weitergeführt.

Rezensionen des Buches „Intersexualität – Intersex: Eine Intervention“ (von Heinz-Jürgen Voß)

Sie sind und du bist herzlich eingeladen, selbst eine Besprechung zu verfassen. Für ein Rezensionsexemplar wenden Sie sich gern direkt an mich (voss_heinz(ätsch)yahoo.de) oder an den Verlag.

Übersicht über die erschienenen (und mir bekannten) Besprechungen:

Unter dem Titel „Sich bewegende Verhältnisse in Bewegung halten“ rezensierte Anja Gregor das Buch auf Mädchenblog. In der Besprechung heißt es u.a.: „Voß [zeigt], dass die Zurichtungen intergeschlechtlicher Körper ihren Ursprung in der gesellschaftlichen Vorstellung von Geschlechtlichkeit und ihrem Wandel seit der Aufklärung haben, dass die Forderungen des Ethikrates entscheidende Lücken in der Rezeption des (medizinkritischen) Diskurses in Form von Outcome-Studien aufweist und auch deshalb weit hinter den Forderungen der Inter*-Bewegung zurückbleiben muss. Die Veröffentlichung ist ein Beitrag, diese Lücke rechtzeitig zu schließen, um damit – hoffentlich – in weitere politische Entwicklungen zu intervenieren.“ Zur vollständigen Rezension.

Martin Brandt hat „Intersexualität – Intersex: Eine Intervention“ auf www.kritisch-lesen.de besprochen. Die vollständige Besprechung findet sich hier.

Eine erste Einordnung des Buches nimmt Seelenlos auf Zwischengeschlecht.info vor und kündigt eine genauere Besprechung an. Auf Zwischengeschlecht.info heißt es: „Voß ist einer der leider raren Geschlechterforscher, bei dem die inhaltliche Kritik an der vereinnahmenden Ausblendung der Menschenrechtsverletzungen an Zwittern offensichtlich nicht nur zum einen Ohr rein und zum andern flugs wieder raus ging, sondern der die Argumente und Quellen auch zur Kenntnis nahm und seither immer mal wieder beweist, dass er seine Hausaufgaben gemacht hat und die Anliegen der Überlebenden von kosmetischen Genitaloperationen ernst nimmt.“ Hier gehts weiter.

Ulrike Kümel besprach das Buch bei Queer.de. In der Rezension heißt es unter anderem: „Dieses Buch enthält alles, was mensch für den Kampf gegen die halbherzige „Empfehlung des Ethikrates“ benötigt. […] Der Autor Dr. Heinz-Jürgen Voß stellt in seiner Argumentation die vielen relevanten wissenschaftlichen Untersuchungen der Medizin und Biologie dar, die – fern jeglicher Seriosität – vom Ethikrat für seine Stellungnahme ignoriert wurden und zu obiger Fehlentscheidung führte. Er schreibt kompakt und für alle leicht verständlich und nachvollziehbar.“ Zur Rezension bei Queer.de.

Andrea*s Jackie Klaura rezensierte „Intersexualität – Intersex: Eine Intervention“ für progress – Magazin der österreichischen HochschülerInnenschaft. In der Besprechung hält Klaura unter anderem fest: „[D]ieses kompakte Büchlein [entwickelt] das Potential zur breit verwendbaren Argumentationsgrundlage für medizinisch- und juristisch-politische Debatten. […] Ähnlich wie in der ausführlicheren und als Grundlage zu empfehlenden Einführung in das Thema Geschlecht. Wider die Natürlichkeit (2011. Schmetterling Verlag) versteht es Voß, wissenschaftliche Sachverhalte auch in historische und aktuelle gesellschaftliche Kontexte einzubinden. Trotz des wissenschaftlichen Charakters ist der Biologe Voß dabei stets darum bemüht, die Sachverhalte in allgemein-verständlicher Weise zu erläutern.“ Die Besprechung ist, neben der gedruckten Form, hier auch online verfügbar.

Ulrike / Gundula Hase besprach das Buch für „Rosige Zeiten“ und „Die andere Welt“ und folgert: „Fazit: Ein sehr gut lesbares Buch, das die neue Entwicklung der Intersex-Diskussion nicht nur darstellt, sondern auch konkrete Hilfestellungen gibt, den Kampf gegen die Empfehlung des Ethikrates wieder anzufachen.“ Die Besprechungen finden sich hier (Heft Nr. 142, S.20f) und hier.

Sonja Erkens hat „Intersexualität – Intersex: Eine Intervention“, das sich auf Basis der aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse gegen die geschlechtszuweisenden medizinischen Praxen bei intergeschlechtlichen Menschen richtet, bei Missy Magazine besprochen. In der Besprechung heißt es unter anderem: „Mit der ebenso seltenen wie fruchtbaren Kombination aus biologischer und sozialwissenschaftlicher Perspektive entlarvt Voß das Konstrukt der Zweigeschlechtlichkeit vielmehr als gesellschaftliches Produkt denn als medizinischen Fakt.“ Auf seiner Basis werden intergeschlechtliche Menschen – so Erkens weiter – „mit medizinischer Brachialgewalt zwangsweise ‚vereindeutigt‘. Die entsprechenden Passagen über das ebenso beherzte wie selbst vor den Betroffenen geheim gehaltene Abschneiden oder Zunähen unerwünschter Geschlechtsmerkmale lesen sich zwar wie von Dr. Frankenstein höchstselbst erdacht, zeigen aber auf eindrückliche Weise, wie kompliziert und aufwändig es bisweilen sein kann, so etwas vordergründig Banales wie “Normalität” herzustellen.“ Die vollständige Besprechung findet sich hier.

Winter-Katalog von Loewenherz.at: „Dieses Büchlein gibt einen Überblick über den aktuellen Stand in der noch lange nicht abgeschlossenen Intersexualitätsdebatte. […] Die Position der Intersexe wird in diesem Band ebenso berücksichtigt wie der aktuelle Stand in den damit befassten Wissenschaften. Auch neueste Forschungsergebnisse sind hier eingeflossen.“ Hier online: lesbischer Schwerpunkt (S.31) / schwuler Schwerpunkt (S.34).

Persson Perry Baumgartinger hat das Buch „Intersexualität – Intersex: Eine Intervention“ in der Zeitschrift „Stimme von und für Minderheiten“ rezensiert und schreibt unter anderem: „Das Buch bietet einen kritischen Blick auf Intersex als machtvolle Konstruktion mit gewaltvollen Konsequenzen für Menschen und zeigt die zentrale Rolle von Medizin, Staat und christlicher Kirche in diesem Machtgefüge. Voß beschreibt, wie Geschlecht im Laufe der Geschichte konstruiert wird und was das mit Intersex als Zwangsdiagnose, einem medizinischen Apparat als „Versuchslabor“ und Menschenrechtsverletzungen an Intersex-Personen zu tun hat.“ Es handelt sich um „[e]ine verständlich geschriebene Einführung in ein Thema, das alle angeht.“ (Stimme von und für Minderheiten, Nr. 85, S.33)

Bettina Enzenhofer besprach das Buch in an.schläge – das feministische monatsmagazin. In der Rezension heißt es unter anderem: „‚Intersexualität – Intersex. Eine Intervention‘ ist eine unbedingte Empfehlung für alle, die sich in den Status quo in puncto Intersex einlesen wollen. Denn wie schon in seinen letzten Veröffentlichungen gelingt es Voß auch diesmal sehr gut, komplexe biologisch-medizinische Sachverhalte in einen gesellschaftlichen Zusammenhang zu betten, und das in einer auch für Nicht-(Natur-)Wissenschaftler_innen nachvollziehbaren Weise.“ (an.schläge, februar 2013, S.39)

Kerstin Schumann schreibt auf Geschlechtergerechtejugendhilfe.de: „Buchtipp: Intersexualität – Intersex: Verständlich, übersichtlich und kurz formuliert stellt die Veröffentlichung „Intersexualität – Intersex“ von Heinz-Jürgen Voß verschiedene Diskurse zum Umgang mit Intersexualität dar. Verdeutlicht werden wissenschaftliche Erkenntnisse, ethische Diskussionen und Forderungen der Intersex-Verbände.“ Kerstin Schumann, 22.3.2013, online bei Geschlechtergerechtejugendhilfe und bei JugendInfoSevice Sachsen-Anhalt.

Die Online-Zeitschrift verrönscht und zugenetzt beurteilt das Buch wie folgt: „Voß möchte mit seinem kleinen Büchlein anlässlich der kürzlich vom Deutschen Ethikrat veröffentlichten Stellungnahme »Intersexualität« in die Debatte intervenieren. Das Gremium kritisiert zwar die zweigeschlechtliche Norm und empfiehlt, neben »männlich« und »weiblich« eine dritte geschlechtliche Kategorie offiziell festzuschreiben. Abgesehen davon, dass hier eine an sich diskriminierende Bezeichnung wie »anderes« vorgeschlagen wird, spricht sich das Papier auch nicht gegen die geschlechtsangleichenden Eingriffe im Kindesalter aus. Wie Voß aufzeigt, kommt es dabei aber häufig zu medizinischen Komplikationen und psychischen Problemen. Betroffen Beschreiben die Eingriffe als gewaltsam und traumatisierend. »Damit ergibt sich notwendig: Da die Behandlungspraxis den behandelten Menschen schadet und nicht nutzt, muss sie dem medizinischen Grundsatz und Ethos gemäß aufgegeben werden.« Stattdessen sei die Förderung der Anerkennung von Verschiedenheit und soziale Betreuung und Begleitung von Diskriminierung betroffener Intersexen einzig sinnvoll.“ (vollständige Besprechung)

Simone Emmert besprach „Intersexualität – Intersex: Eine Intervention“ bei Querelles-net – Rezensionszeitschrift für Frauen- und Geschlechterforschung und schreibt unter anderem: „Die Intervention zu Intersexualität – Intersex erweist sich als ein kleines, aber feines Buch, das einen gelungenen Einstieg in die aktuelle politische Debatte gibt. Als besonders wertvoll lassen sich der Überblick und die Diskussion um die Ergebnisse der sogenannten Outcome-Studien ansehen; hieraus wird deutlich abgeleitet, dass geschlechtszuweisende chirurgische und/oder hormonelle Eingriffe intersexen Menschen eher schaden als nützen. Voß gibt damit eine der ersten wenigen publizierten kritischen Stellungnahmen aus wissenschaftlicher Aktivensicht ab. Das Buch ist flüssig und leicht verständlich geschrieben und macht Lust, sich weiter in das noch immer sehr konfliktbeladene und emotionale Thema um den Kampf auf Selbstbestimmung sowie um Respekt, Toleranz und Anerkennung von Vielfalt und Verschiedenheit einzulesen.“ Simone Emmert, in: querelles-net – Rezensionszeitschrift für Frauen- und Geschlechterforschung, 2013, Nr. 2, online

Die Übersicht wird hier weitergeführt.

Anstoß zu weiterer Forschung – „Medizinethik in der DDR“

„Das Wissen über die Medizin in der DDR ist insgesamt gering, wurde sie mit der DDR in den Wendewirren doch schnell abgewickelt und erschien es DDR-Bürgern/-innen mit dem Zusammenschluss mit der BRD oftmals nicht mehr attraktiv, sich mit dem Vergangenen auseinanderzusetzen. Hinzu kam eine Entleerung gerade ostdeutscher Bibliotheken von DDR-Literatur, so dass man heute – paradoxerweise – oftmals wissenschaftliche DDR-Literatur aus den Beständen westdeutscher Bibliotheken beziehen muss und sie nicht mehr in den ostdeutschen Bibliotheken findet.

Gerade in Bezug auf Ethik, die darauf angewiesen ist, aus Bekanntem zu lernen und entsprechend der gesellschaftlichen und technischen Entwicklung jeweils zeitgenössisch passende ethische Perspektiven vorzuschlagen, wäre es fatal, nicht auch die Erfahrungen aus der Ethik in den sozialistischen Ländern, die DDR eingeschlossen, aufzunehmen. Mittlerweile sind auch zwanzig Jahre vergangen, so dass ein nüchternerer Blick auf die Vergangenheit möglich sein sollte, als es in den ersten Jahren nach Ende der DDR der Fall war. Zu schwer wogen zunächst noch Verwundungen; ein Kennenlernprozess musste von beiden Seiten aus in Gang kommen.

Eine solche erste Bestandsaufnahme zur medizinischen Ethik bietet nun der von Hartmut Bettin und Mariacarla Gadebusch Bondino herausgegebene Sammelband „Medizinische Ethik in der DDR – Erfahrungswert oder Altlast?“. Er geht auf eine Tagung zurück, die im November 2009 in Greifswald stattfand und zu der Referent/-innen eingeladen waren, die in der DDR zu Medizinethik aktiv waren und solche, die in der ehemaligen BRD diesbezüglich wichtige Positionen bekleideten und mit DDR-Kolleg/-innen in Kontakt standen.“ weiter bei Literaturkritik.de.

Das Zwei-Geschlechter-System als Menschenrechtsverletzung – Rezension von „1-0-1 intersex“

Nach der Stellungnahme des Deutschen Ethikrates „Intersexualität“, die nicht einmal den basalen Forderungen der Intersex-Bewegung Rechnung trug, ist weiteres Streiten erforderlich, die geschlechtszuweisenden medizinischen Eingriffe im frühen Kindesalter zu beenden.

Das Buch „1-0-1 [one ´o one] intersex – Das Zwei-Geschlechter-System als Menschenrechtsverletzung“ ist 2005 als Begleitband zu einer Ausstellung erschienen, es kann aber auch sehr gut für sich selbst bestehen. Aktuell ist es nur noch über Bibliotheken und den antiquarischen Buchhandel zu beziehen. Im Gegensatz zu zahlreichen aktuellen Artikeln in Zeitschriften ist bereits der Titel klar und umreißt knapp, worum es durch die Beiträge des Bandes hinweg geht: Das binäre Geschlechtersystem, für das paraphrasierend auf den Binär-Code 1-0 zurückgegriffen wird, verletzt die Rechte von denjenigen Menschen, die nicht in dieses System passen. Intersexen wird aktuell massiv und ganz konkret Gewalt angetan. Bei ihnen wird im frühen Kindesalter das Erscheinungsbild der Genitalien mittels medizinischer Interventionen an die gesellschaftliche Norm angeglichen. Ausgehend von Positionierungen von Intersex-Aktivist_innen zu diesen medizinischen Interventionen wird in den schriftlichen und bildlichen Beiträgen des Bandes herausgearbeitet, wie dieses Zwei-Geschlechter-System entstanden ist und wie es wirkmächtig wurde. Zugleich werden Alternativen umrissen und die Bedeutung der Kunst bei ihrer Entwicklung herausgestellt.

zur Besprechung bei kritisch-lesen.de

Neue Gesellschaft für Bildende Kunst / AG 1-0-1 intersex (Hg.) 2005:
1-0-1 [one’o one] intersex. Das Zwei-Geschlechter-System als Menschenrechtsverletzung.
ISBN: 978-3926796950. 192 Seiten.

Intersexualität: Bei 61 % der Befragten, die geschlechtszuweisende medizinische Eingriffe erlebten, zeigte sich „behandlungsrelevanter Leidensdruck“

Schweizer und Richter-Appelt geben in dem aktuellen Band „Intersexualität kontrovers“ einen Ausblick auf weitere Ergebnisse der „Hamburger Studie zur Intersexualität“, die über ihre bisherigen Betrachtungen hinausreichen.

Sie schreiben: „Weitere Ergebnisse beziehen sich auf Aspekte der Lebensqualität in verschiedenen Lebensbereichen. Insgesamt fällt eine hohe Beeinträchtigung des körperlichen und seelischen Wohlbefindens auf. So litten über 60% der Teilnehmenden sowohl unter einer hohen psychischen Symptombelastung als auch unter einem beeinträchtigten Körpererleben. […] Die psychische Symptombelastung, die z.B. anhand depressiver Symptome, Angst und Misstrauen erfasst wurde, entsprach bei 61% der Befragten einem behandlungsrelevantem Leidensdruck […]. Auch hinsichtlich Partnerschaft und Sexualität zeigte ein Großteil der Befragten einen hohen Belastungsgrad. […] Fast die Hälfte (47%) der Befragten, die an den Genitalien operiert wurden, berichteten sehr viel häufiger über Angst vor sexuellen Kontakten und Angst vor Verletzungen beim Geschlechtsverkehr als die nicht-intersexuelle Vergleichsgruppe“. (aus: „Intersexualität kontrovers“, S.196f)

Michael Groneberg kommt vor dem Hintergrund dieser und weiterer Behandlungsergebnisse der frühen geschlechtszuweisenden Interventionen bei Intersex zu dem Schluss: „Zu fragen, welche spezifischen Eingriffe zur Geschlechtsanpassung zu vermeiden sind, folgt der falschen Logik. Vielmehr gilt: Kein Eingriff in die körperliche Unversehrtheit des Kindes zum Zweck der Geschlechtsanpassung oder -zuweisung ist erlaubt. Ausnahmen wie die Abwendung von Gefahr für Leib und Leben sind klar zu regeln und zum Teil bereits geregelt. […] Auch die UN-Kinderrechtskonvention stellt die Geschlechtsidentität unter Schutz und setzt der Entscheidungsgewalt der Eltern eindeutige Grenzen“. (aus: „Intersexualität kontrovers“, S.498) Zu dieser Aussage kommt er, weil medizinische Behandlungen grundlegend darauf orientieren sollen, Menschen zu nutzen und nicht ihnen zu schaden.

Mittlerweile ist die Datenlage erdrückend, dass geschlechtszuweisende Interventionen, die oft schon im frühen Kindesalter stattfinden (und übrigens medizinisch nicht notwendig sind), massives Leiden bei den so Behandelten verursachen. Sie widersprechen grundlegend den medizinethischen Prinzipien und müssen ein Ende haben. Dieses Ende ist durch die anstehenden Beratungen und Entscheidungen im Bundestag (und dessen familienausschuss) möglich -das weitere Streiten für das Ende der Interventionen nötig.

(„Intersexualität kontrovers: Grundlagen Erfahrungen Positionen“, erschienen im Psychosozial-Verlag, Link zum Buch.)