Intergeschlechtlichkeit (Intersexualität): Glatte Fehlinformationen von einem Arzt im Rahmen der Leipziger Buchmesse:

Intergeschlechtlichkeit: Glatte Fehlinformationen von einem Arzt ( Wieland Kiess ) im Rahmen der Leipziger Buchmesse. Zudem offensichtlich von der Leipziger Volkszeitung (LVZ) gewollt – sonst hätten sie auch Kritik zugelassen (und u.a. auch auf die zum Behandlungsprogramm kritische Buchvorstellung im Rahmen der Buchmesse „Intersexualität – Intersex: Eine Intervention“ hingewiesen).
Bei der LVZ heißt es: „Überstürzte Geschlechtsanpassungen gibt es nicht mehr. Zum Glück, findet Kiess. „Mein Ziel ist es, Eltern so aufzuklären, dass sie fast genauso Bescheid wissen wie wir Ärzte.“ Heute wird nur in Ausnahmefällen – wenn durch die gestörte Entwicklung die Gesundheit des Kindes gefährdet wäre – operiert. Ansonsten kann der Betroffene später selbst entscheiden, ob er als Mann oder Frau leben und sein Geschlecht eventuell durch eine Operation angleichen möchte.“ ( http://www.lvz-online.de/gestaltete-specials/campus_online/lehre_forschung/mann-frau-beides-leipziger-buchmesse-akademie-zum-dritten-geschlecht/r-lehre_forschung-a-179821.html )
Genau diese Argumentation wurde und wird von Medizinern gern bemüht – und wurde schon im Jahr 2000 genutzt: „Heute sei ja alles anders.“ Und damit finden dann die gleichen traumatisierenden und geschlechtszuweisenden Eingriffe weiter statt… Im Jahr 2000 wurde diese Argumentation klar von Michel Reiter kritisiert: „Werden Kritiken an den geschlechtlichen Assimilationsmethoden laut, wie in den USA seitens der Intersex Society of North America (ISNA) oder der AGGPG in Deutschland formuliert, versucht man diese zuerst zu Spinnern zu erklären; und nützt dies nichts, werden Übernahmeangebote an die Aktivisten getätigt, indem man ihnen eine wissenschaftliche Karriere in Aussicht stellt und sie an einer Modifikation ihrer Behandlungen beteiligt. Gleichfalls versichert man, vor allem gegenüber der Öffentlichkeit, die Eingriffe humaner zu gestalten, indem die Quantität der chirurgischen Eingriffe reduziert, ihre Qualität und eine psychotherapeutische Hilfeleistung dagegen expandiert werden. Beweise für diese Behauptungen werden nicht geliefert. Man spricht von Fehlern in der Vergangenheit und den technischen Weiterentwicklungen heute und in Zukunft. Daß es dabei ungebrochen um des Gärtners Vorstellungen geht, um viel Geld und Forschungsmaterial, um Prestige und Macht, aber niemals um den Menschen, fällt dort nicht weiter auf…“ (online) Und seit dem Jahr 2000 sind ja nun schon einige Jahre vergangen – und dennoch hatte sich ja an den Eingriffen ganz offensichtlich nichts verbessert – sonst wäre die Debatte jetzt nicht in Gang und wäre die Bundesregierung nicht so deutlich von UN-Ausschüssen gerügt worden…

Was mich am meisten ärgert ist, dass Journalist_innen ( konkret: Dominique Bielmeier ) auf diese Einseitigkeit der Ärzte reinfallen und zudem so viel Platz erhalten!

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2 Antworten auf “Intergeschlechtlichkeit (Intersexualität): Glatte Fehlinformationen von einem Arzt im Rahmen der Leipziger Buchmesse:”


  1. 1 markus bauer 18. März 2013 um 14:00 Uhr

    danke für den solidarischen bericht!

    allerdings habe ich nicht das gefühl, dass es hier bei der volkszeitung um nicht-wissen geht, sondern vielmehr um bewusstes wegsehen „aus wirtschaftlichen gründen“.

    das zeigte sich schon in der berichterstattung zu den intersex-protesten letzten herbst: nach einem ersten kritischen artikel und einem geplanten 2. wurde der journalist von messeveranstaltung (und wohl auch klinik) zurückgepfiffen; stattdessen erschien bald darauf ein artikel, wie viel geld die beiden verstümmlerInnen-kongresse nach leipzig brachten …

    und bekanntlich verdienen auch die spitäler an den verstümmelungen nicht schlecht:
    http://blog.zwischengeschlecht.info/post/2010/10/11/Kinderkliniken-Euro-8175-Reingewinn-pro-Genitalverst%C3%BCmmelung

    aktuelle zahlen zu kosmetischen genitaloperationen an kindern in leipzig (inkl. „hypospadie-korrekturen“!) werden dagegen keine bekanntgegegeben. ganz zu schweigen, dass auch die geschichte der intersex-verstümmelungen in leipzig nach wie vor unaufgearbeitet ist:
    http://blog.zwischengeschlecht.info/post/2012/09/27/Offener-Brief-an-Universitatsklinikum-Leipzig-21-9-12
    (auf den offenen brief haben wir übrigens wie seinerzeit von wieland kiess angekündigt [!] bisher keine antwort erhalten.)

    trotzdem nagt die erstarkende öffentliche kritik offensichtlich an den verstümmlerInnen und co., dass sie immer wieder versuchen, ihrerseits an die öffentlichkeit zu gelangen, wobei sie natürlich keine kritischen gegenstimmen brauchen können.

    bezeichnend auch, wie sie jedes mal auf die unselige ethikrat-stellungnahme verweisen, wo angeblich „Erstmals […] Betroffene zu Wort [kamen]“ (tatsächlich wurden betroffene von frühkindlichen eingriffen dort gemobbt und ausgeschlossen), und die „gesellschaftliche Akzeptanz für das dritte Geschlecht“ propagieren statt verbindliche sicherstellung des rechts auf körperliche unversehrtheit. kiess ist dabei kein einzelfall, und er war mangels kritischer stimmen gar in der komfortablen lage, zu einem gesetzlichen verbot der verstümmelungen gar nicht erst stellung nhemen zu müssen, im gegensatz z.b. zu dagmar l’allemand-jander:
    http://blog.zwischengeschlecht.info/post/2013/03/16/EuroDSD-Verstummlerin-Dagmar-L-Allemand-Jander-Drittes-Geschlecht-statt-OP-Verbot

  2. 2 brigitte 10. April 2013 um 10:33 Uhr

    Ja so ein fach mal was gesagt .ob es stimmt oder nicht ist für ärzte nicht wichtig ,denn erfolg zählt..op diese ärzte auch zu gott beten ?es ist nicht möglich das ein nicht medeziner mehr weiss,als,der,dr.nun so ist es eben intersex geschlecht .sind nicht so doofe wie sie uns hinstellen.ärzte sind nur menschen die nicht sehen wollen die regeln der ärzte schaft sind zeit 1960 nicht verandert worden.was sollen sie schreiben was es nicht gibt. Also ihnen schreib ein niemandt.liebe gruesse biggi

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