Archiv für Februar 2013

Buchvorstellungen zur Leipziger Buchmesse: Wer macht Demo_kratie? / Intersexualität / Biologie & Homosexualität

Buchvorstellungen im Rahmenprogramm der Leipziger Buchmesse:

14. März 2013, Frauenkultur (Windscheidstr. 51), ab 19:00 Uhr:

Intersexualität – Intersex: Eine Intervention
Heinz-Jürgen Voss / Unrast Verlag: Oft werden bei der Diagnose ‚Intersex‘ im Säuglings- und frühen Kindesalter operative und hormonelle Eingriffe vorgenommen, um ein möglichst eindeutiges Erscheinungsbild der Genitalien zu erreichen. Von den Interessensvertretungen der Intersexe werden diese Eingriffe als gewaltsam und traumatisierend beschrieben. Der Band stellt ihre Position und den aktuellen wissenschaftlichen Stand vor – auch die neuesten Ergebnisse, die der Deutsche Ethikrat nicht würdigte.
Veranstaltungsinfos: http://www.frauenkultur-leipzig.de/Programm/Programm.html (14. März).
Buch: http://www.unrast-verlag.de/neuerscheinungen/intersexualitaet-intersex-407-detail .

Wer macht Demo_kratie. Kritische Migrationsforschung
Duygu Gürsel und Zülfukar Çetin (Hrsg.), Koray Yilmaz-Günay und Salih Alexander Wolter (Autoren) / edition assemblage: Wer MACHT Demo_kratie? lautet die zentrale Frage des Sammelbandes. Die Autor_innen setzen sich in ihren Beiträgen u.a. mit Migrations- und Flüchtlingspolitiken, Demokratie, Kapitalismus, Rassismus, Homonationalismus, Kolonialismus, Feminismus, sozialen Kämpfen und migrationsbezogener Sozialer Arbeit auseinander.
Sozialwissenschaftler_innen, Aktivist_innen und andere politischen Akteur_innen kommen hier zu Wort und bringen Alternativen für politisch-wissenschaftliche Auseinandersetzungen zum Ausdruck.
Neben den beiden Herausgeber_innen des Bandes werden die zwei Autoren Koray Yilmaz-Günay und Salih Alexander Wolter anwesend sein und ihren Beitrag „Pink Washing Germany? Der deutsche Homonationalismus und die «jüdische Karte»“ vorstellen.
Veranstaltungsinfos: http://www.frauenkultur-leipzig.de/Programm/Programm.html (14. März).
Buch: http://www.edition-assemblage.de/wer-macht-demo_kratie/ .

16. März 2013, 17:00 Uhr, linXXnet (Bornaische Str. 3d):

Biologie & Homosexualität. Theorie und Anwendung im gesellschaftlichen Kontext
Heinz-Jürgen Voß, UNRAST Verlag 2013: Der Biologe Heinz-Jürgen Voß erläutert die historischen und aktuellen biologischen Forschungen zur „Homosexualität“. Dabei stehen Theorien der Keimdrüsen- und Hormonforschung, der Genetik, Neurobiologie und Evolutionsbiologie sowie ihre jeweiligen Methoden im Fokus. Der Autor arbeitet heraus, dass die Forschung vielfach von dem Ziel geleitet war, gleichgeschlechtliches sexuelles Begehren auszulöschen.
Veranstaltungsinfos: http://www.left-action.de/dates0.shtml (16. März).
Buch: http://www.unrast-verlag.de/neuerscheinungen/biologie-amp-homosexualitaet-409-detail .

Queere Bestandsaufnahme: Rezension des Buches „Que[e]r zum Staat“

Cover Queer zum Staat - Querverlag
Rezension von: Helga Haberle, Katharina Hajek, Gundula Ludwig, Sara Paloni (Hrsg.): Queer zum Staat: Heteronormativitätskritische Perspektiven auf Staat, Macht und Gesellschaft. Berlin: Querverlag (2012, 227 Seiten, broschiert, 14,90 EUR). Zuerst veröffentlicht in den Rosigen Zeiten (www.rosige-zeiten.net).
 

Die aktuellen kapitalistischen gesellschaftlichen Verhältnisse sind durch eine Flexibilisierung und Individualisierung der Lebensbereiche gekennzeichnet. Insbesondere bzgl. Geschlecht und Sexualität werden die Veränderungen von Menschen als konkrete Befreiungen erlebt: So ist gleichgeschlechtliches sexuelles Tun nicht mehr strafbar. Dem „alten patriarchalen Modell [wurden] Rechte und Freiheiten abgerungen“ (Wagenknecht 2005) – dafür waren konkrete Kämpfe von Menschen nötig, insbesondere der Frauen-/Lesbenbewegung. Gleichzeitig zeigt sich, dass durch diese Veränderungen die kapitalistische Gesellschaftsordnung nicht erschüttert wird. Vielmehr können die flexibilisierten und individualisierten Individuen zum aktuellen Entwicklungsstand des Kapitalismus sogar noch intensiver ausgebeutet werden. Es bleibt dem Kapitalismus damit nicht einfach „völlig äußerlich“, was die Individuen tun, wie Volkmar Sigusch in „Neosexualitäten“ (2005) vermutete, sondern die derzeitige Aktualisierung ermöglicht es, „individuelle Kreativität auszubeuten“, „kollektive Widerstände zu verhindern“ und sie bedeutet, die „Verwandlung von allem und jedem in Waren, einschließlich der menschlichen Sinnlichkeit“ (Wagenknecht 2005). Anknüpfend an Leo Kofler lässt sich weiter festhalten, dass die aktualisierten kapitalistischen gesellschaftlichen Verhältnisse „erotische – und das heißt hier vornehmlich sexuelle – Freiheit versprech[en] und formell auch gewähr[en], aber allein zu dem Zweck, um das Individuum über die psychischen Prozesse der Verinnerlichung und der Identifikation um so stärker an die repressive Ordnung zu fesseln, damit der bestehenden Unterdrückung Dauer zu verleihen.“ (Kofler 1985)

Vor dem Hintergrund der Diagnose, dass gesellschaftliche Kämpfe gut in Herrschaftsverhältnisse integrierbar sind, finden aktuell emanzipatorische Positionsbestimmungen statt. „Que[e]r zum Staat: Heteronormativitätskritische Perspektiven auf Staat, Macht und Gesellschaft“ ist eine solche, die insbesondere eine Analyse der Veränderungen bezogen auf Staatstheorien anbietet. Die Autor_innen des Sammelbandes gehen hierbei von Beschreibungen aus, dass die Europäische Union „toleranter“ werde, insbesondere bezogen auf geschlechtliche Identität und sexuelle Orientierung. Dabei führt Volker Woltersdorff sehr richtig an, dass diese hegemoniale Durchsetzung von „Toleranz“ zwischen „innen“ und „außen“ unterscheidet, mit „Instrumenten wie Green Card oder Frontex“ werde etwa zwischen „erwünschten und unerwünschten Arbeitssubjekten“ unterschieden (S. 129), also Rassismus mit vielen Toten staatlich durchgesetzt. (mehr…)

marx21 zu „Interventionen gegen die deutsche „Beschneidungsdebatte“": „Das kleine, handliche und verständlich geschriebene Buch liefert nicht nur wichtige sachliche Argumente.“

In der insgesat sehr lesenswerten Ausgabe der aktuellen Ausgabe des Magazins „marx21″ (unter anderem zum Krieg in Mali) wird das Buch „Interventionen gegen die deutsche „Beschneidungsdebatte“" als „Buch des Monats“ gewürdigt. In einer ganzseitigen Rezension schreibt die Bundestagsabgeordnete Christine Buchholz (Die Linke) unter anderem: „Das kleine, handliche und verständlich geschriebene Buch liefert nicht nur wichtige sachliche Argumente. Es ist vor allem deshalb so wertvoll, weil es gezielt in die Debatte innerhalb der gesellschaftlichen Linken eingreift. Denn es gehört zu den Paradoxien der Beschneidungsdebatte, dass Politiker von CDU und FDP Ansichten im Sinne einer toleranten, multikulturellen Gesellschaft vertreten haben, während die Positionen, die praktisch die Religionsfreiheit infrage gestellt haben, aus den Reihen von SPD, Grünen und LINKEN kamen.“

Die vollständige Besprechung findet sich in der aktuellen „marx21″, die es aktuell an vielen Kiosken gibt (u.a. überall im Bahnhofsbuchhandel).

Übersicht über die weiteren erschienenen Rezensionen.

Neue Rezension in „analyse & kritik“ zu „Interventionen gegen die deutsche „Beschneidungsdebatte“"

In der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift „analyse & kritik“ (Februar 2013) hat Lisa Krall „Interventionen gegen die deutsche „Beschneidungsdebatte“" besprochen. Krall schreibt unter anderem:

„Die drei AutorInnen liefern eine kritische Analyse und Hintergrundinformationen zu der Debatte, die von antimuslimischen und antisemitischen Tendenzen sowie Unwissen über Vorhautbeschneidungen geprägt war. […] Bleibt zu hoffen, dass sich eine kritische Auseinandersetzung gemäß dem Wunsch der AutorInnen über die Fachkreise hinaus etabliert – ein Blick in den kleinen Band lohnt sich dafür allemal.“ Zur vollständigen Rezension.

Übersicht über die weiteren erschienenen Rezensionen.

Veranstaltungshinweis: Seminar: Rassismus im deutschen Bildungssystem (2./3. März 2013, Berlin)

Seminar: Rassismus im deutschen Bildungssystem

Wann? 2. & 3. März 2013

Wo? Auditorium des Jacob & Wilhelm-Grimm-Zentrum der Humboldt-Universität zu Berlin, Geschwister-Scholl-Str. 1/3

Verkehrsanbindung: S/U-Bahnhof Friedrichstr.

Veranstalter_in: Antira-Referat der Humboldt Universität, Afrika Initiative und Afrikanische Studentenunion (ASU e.V.)

Kontakt: Chamberlin Wandji -Mail: antira (ät) refrat.hu-berlin.de

Mit:

Prof. Dr. Dr. Jacob Emmanuel Mabe: Professor für Philosophie und Gastwissenschaftler am Frankreichzentrum der FU Berlin, ehemals Dozent am Institut für Philosophie der HU
Prof. Dr. Grada Kilomba: Professorin für Gender Studies und ‚Race‘ Critical Studies / Post-colonial Studies am Zentrum für transdisziplinäre Geschlechterstudien der HU
Prof. Dr. Chicgoua Noubactep: Diplomchemiker (1992) von der Universität Yaoundé/ Kamerun. Er promovierte (2002) an der Bergakademie Freiberg/Sachsen und habilitierte (2011) an der Geowissenschaftlichen Fakultät der Universität Göttingen.
Natasha A. Kelly: Doktorandin am Institut für Kommunikationswissenschaften der WWU-Münster, wissenschaftliche Mitarbeiterin am ZtG der HU und Hauptvertreterin der EU im Landesbeirat für Integrations- und Migrationsfragen des Berliner Senats
Elizabeth Beloe: Sociologist, Dotorate student in Anthropology in FU Berlin. Active in the areas of migration, integration, intercultural relations, conflict management and development.
Moctar Kamara: Vorsitzender Zentralrat der afrikanischen Gemeinde in der BRD
Marianne Ballé Moudoumbou: Diplom-Dolmetscherin
Bertrand Njoume: Lehrer an einer Berliner Schule
Aretha Apithy: Gelernte Erzieherin und arbeitete in verschiedenen Ländern mit Kindern und Jugendlichen; sie studierte Erziehungswissenschaften und Gender Studies; gegenwärtig schreibt sie ihre Dissertation zu: Weiße Erziehung als Herrschaftslegitimierung und hält themenrelevante Vorträge; mit tatkräftiger Unterstützung ist sie leidenschaftliche Mutter.
Chamberlin Wandji: Referent für Antirassismus im AStA (Referent_innenRat) der HU Berlin, Menschenrechtsaktivist und Gründer der Afrika Initiative, aktiv in der African Black Community, Arbeitskreis Panafrikanismus, ASU e.V., u.a.
Pasquale Virgine Rotter: Empowerment und Diversity

Moderation:

Vanessa Eileen Thompson: Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Grundlagen der Gesellschaftswissenschaften der Goethe-Universität Frankfurt und promoviert derzeit zu kolonialer Entfremdung und dem Fanon’schen Echo in Frankreich.

Joseph Guimatsa: Wirtschaftsjurist, Menschenrechtsaktivist, Mitglied der Afrika Initiative, ASU e.V. ,u.a.
Amine Abdel Mohamed: Student und Aktivist

Inhalt:

Rassistische Zuschreibungen und Verhaltensweisen gegenüber Schwarzen Kindern und Erwachsenen sind im deutschen Bildungskontext allgegenwärtig. Ob in der Kita, Schule, Universität — Schwarze Menschen erleben auf zahlreichen Ebenen und in unterschiedlichen Formen die ihnen entgegen gebrachten Vorurteile in Verbindung mit Abwertung, Ausgrenzung und faktischer Benachteiligung. Um sich dem vielschichtigen Phänomen des Rassismus im deutschen Bildungssystem anzunähern, werden im Rahmen des Seminars verschiedene Themenfelder behandelt.
Eine der Ebenen, auf denen sich der Rassismus innerhalb des deutschen Bildungswesens bemerkbar macht, ist die institutionelle. Hier rücken die Strukturen von auf Rassismus basierter Benachteiligung Schwarzer Menschen ins Blickfeld. Des Weiteren werden Kulturalisierungs- und Zuschreibungsprozesse im Kita- und Schulalltag, die beispielsweise von Lehrenden ausgehen, sowie die inhaltliche Ausgestaltung von sich auf Afrika beziehenden Themen unter die Lupe genommen und analysiert.
Hierbei widmen sich die ReferentInnen unter anderem folgenden Fragestellungen: Wie sehen Rassismus, Kulturalisierung und Diskriminierung in Kindergarten und Schule heute aus? Wie wird Schwarzsein und Weißsein (re)produziert und was haben diese rassifizierten (post)kolonialen Projektionen für Auswirkungen auf die sozialen Identitäten von weißen und Schwarzen Kindern in Deutschland?! Und was macht es mit den Lehrenden, die mit diesem Wissen aufwachsen, es verwenden und unterrichten? Wie bereitet die LehrerInnenbildung auf diese Strukturen vor? Weiterführend wird die Institution Universität auf die in ihr vorherrschenden weißen Machtstrukturen untersucht und der von Rassismus geprägte Alltag Schwarzer Studierender unter die Lupe genommen.

NEUES BUCH: Biologie & Homosexualität: Theorie und Anwendung im gesellschaftlichen Kontext

NEUERSCHEINUNG – Das Buch ist nun überall im Buchhandel erhältlich:

Biologie & Homosexualität: Theorie und Anwendung im gesellschaftlichen Kontext
Heinz-Jürgen Voß
Unrast, 87 Seiten, 7,80 EUR
ISBN 978-3-89771-122-8
Verlagsinformationen und Bestellmöglichkeit.
Übersicht über bereits erschienene Rezensionen.

Cover des Buches Biologie und Homosexualität

Kurztext:
Der Biologe Heinz-Jürgen Voß erläutert die historischen und aktuellen biologischen Forschungen zur „Homosexualität“. Dabei stehen Theorien der Keimdrüsen- und Hormonforschung, der Genetik, Neurobiologie und Evolutionsbiologie sowie ihre jeweiligen Methoden im Fokus. Der Autor arbeitet heraus, dass die Forschung vielfach von dem Ziel geleitet war, gleichgeschlechtliches sexuelles Begehren auszulöschen.

Klappentext:
Das Konzept ›Homosexualität‹ entstand im 19. Jahrhundert und ist eng mit Biologie und Medizin verwoben. Vor dem Hintergrund der massiven staatlichen Verfolgung gleichgeschlechtlicher sexueller Handlungen argumentierten Menschen mit der ›Natürlichkeit‹ gleichgeschlechtlichen sexuellen Tuns. Auch die Gegenseite argumentierte biologisch-medizinisch. Beide Richtungen trugen damit dazu bei, dass „Homosexualität“ als Konzept etabliert und Biologie und Medizin zu bestimmenden Instanzen über die Legitimität sexuellen Handelns wurden.
Ausgehend von der Genese des Homosexualitäts-Diskurses erläutert der Biologe Heinz-Jürgen Voß die damit verbundenen biologischen Theorien und arbeitet heraus, dass die Forschung vielfach von dem Ziel geleitet war, gleichgeschlechtliches sexuelles Begehren auszulöschen. Die Grenzen zu Menschenexperimenten wurden dabei auch noch nach 1945 überschritten.

Biographische Informationen:
Heinz-Jürgen Voß (Dipl. Biol., Dr. phil.) studierte in Dresden und Leipzig Diplom-Biologie und promovierte in Bremen zur gesellschaftlichen Herstellung biologischer Geschlechtertheorien. Er_sie ist antirassistisch, antifaschistisch und queer-feministisch politisch aktiv. Forschungsschwerpunkte sind: Geschichte und Ethik der Medizin und Biologie sowie biologisch-medizinische Geschlechtertheorien. Aktuell arbeitet Voß als externe_r Mitarbeiter_in am Lehrstuhl Sprachwissenschaft und therapeutische Kommunikation der Europa Universität Viadrina Frankfurt (Oder).

Übersicht über bereits erschienene Rezensionen.

Weitere Buchpublikationen.

„Gender mainstreaming“ als Männerförderung? – Universität Oldenburg und Universität Hildesheim – Arbeitssauftrag für die neue rot-grüne Landesregierung

Liebe Leute,

ich bin eben über diese Ausschreibung der Universität Oldenburg gestolpert, in der sich nun offenbar „Gender mainstreaming“ schon ins Gegenteil verkehrt – Männer nämlich offenbar in Bereichen begünstigt werden sollen, in denen derzeit mehr Frauen beschäftigt sind. Dagegen erweisen sich ja die männlich dominierten Bereiche stets als „harte Nüsse“ – ein Aufbrechen ist dort schwierig, weil gerade die männlich geprägten Bereiche prestigeträchtig und lukrativ sind (im Gegensatz zu den weiblich dominierten Bereichen).

Hier die entsprechende Passage der Universität Oldenburg: „Die Carl von Ossietzky Universität Oldenburg will die berufliche Gleichstellung von Frauen und Männern besonders fördern und fordert deshalb das in dem Bereich unterrepräsentierte Geschlecht auf, sich zu bewerben.“ (volle Quelle: http://www.uni-oldenburg.de/stellen/?stelle=61654 )

Noch deutlicher findet sich das in einer entsprechenden Anzeige der Universität Hildesheim: „Die Stiftung Universität Hildesheim will die berufliche Gleichstellung von Frauen und Männern besonders fördern. Sie strebt eine Erhöhung des Männeranteils an in Bereichen, in denen Männer unterrepräsentiert sind. Daher sind Bewerbungen von Männern besonders erwünscht.“ (Volltext: https://www.uni-hildesheim.de/index.php?id=6509&tx_ttnews[tt_news]=7036&cHash=c417898d373ee6625cb7ab539e6a98d8 )

Ich denke, dass solche Umdeutungen nicht einreißen dürfen, sondern es um eine konsequente Frauenförderung gehen muss, um Männerdominanz an den Universitäten zu brechen. Selbstverständlich müssen dabei mehr als bisher auch Women of Color berücksichtigt werden.

Vielleicht hat die_der eine oder andere (oder z.B. KEG oder FG Gender) Möglichkeiten, wirkungsvoll zu intervenieren? Auch die neue rot-grüne Landesregierung in Niedersachsen sollte hier dringenden Handlungsbedarf sehen und mit dieser Macho-Politik an den Hochschulen Schluss machen!

Wenn Tier-Filme „heterosexuell“ zurechtgemacht werden – und nicht-normative sexuelle Verhaltensweisen einfach rausgeschnitten werden

An dieser Stelle sei auf einen lesenswerten Beitrag bei Queer.de verwiesen: Wissenschaftler_innen kritisieren bereits seit längerem, dass in der medialen Berichterstattung gleichgeschlechtliches sexuelles Verhalten unter Tieren als „homosexuell“, „schwul“ und „lesbisch“ bezeichnet wird. Verhaltensweisen unter Tieren könnten nie unter diesem identitäten verständnis gefasst werden (vgl. etwa hier und hier).

Nun kritisieren Wissenschaftler_innen um Dr. Brett Mills, dass in Tierdokumentationen sexuelle Verhaltensweisen, die dem heterosexuellen Denken der Filme-Macher_innen widersprechen, schlicht weggelassen werden. Besteigt etwa ein Männchen ein anderes, geht das in die Tierdokumentationen nicht ein, sondern wird aus dem Rohfilmmaterial herausgeschnitten. Es handelt sich also quasi um Zensur solchen Materials, dass nicht den normativen Vorstellungen der Filme-Macher_innen entspricht…

Der Beitrag bei Queer.de.

Inhaltlich auf diesem Blog:
Geschlecht und Sexualität in Schulbüchern – weiterhin heteronormativ.
Dass Tiere Sex nur zu Zwecken der Fortpflanzung betrieben, sei kompletter Unsinn.

Wissenschaftlich fundiert zu gleichgeschlechtlichem sexuellen Verhalten bei versch. Tierarten:
Bruce Bagemihl (1999): Biological Exuberance: Animal Homosexuality and Natural Diversity. St. Martin’s Press (Hardcover).
Joan Roughgarden (2004 / 2009): Evolution’s Rainbow: Diversity, Gender, and Sexuality in Nature and People. University of California Press.
Smilla Ebeling (2006): Alles so schön bunt. Geschlecht, Sexualität und Reproduktion im Tierreich. In: Ebeling, Kirsten Smilla, Schmitz, Sigrid (Hrsg.): Geschlechterforschung und Naturwissenschaften – Einführung in ein komplexes Wechselspiel. Wiesbaden. VS Verlag.

Rezension „Religionskritik als Sprachrohr des Rassismus“ beim Humanistischen Pressedienst hpd (zu Buch: Intervetionen gegen die deutsche „Beschneidungsdebatte“)

Der „Humanistische Pressedienst“ hat – wie zu erwarten – mit anderer Sicht, aber dennoch sehr zur Lektüre einladend und mit Verlinkung auf den „religionskritischen“ Online-Shop „Denkladen – Bücher fürs Diesseits“, das Buch „Interventionen gegen die deutsche „Beschneidungsdebatte“" besprochen. In seiner Rezension mit dem Titel „Religionskritik als Sprachrohr des Rassismus“ schreibt Gunnar Schedel unter anderem:

„Heinz-Jürgen Voß setzt sich mit der „medizinischen Basis“ der Debatte auseinander. Er erörtert anhand zahlreicher Studien die Empfindungsfähigkeit des Penis nach einer Beschneidung sowie die Folgen für das Infektionsrisiko […]. Insgesamt überwögen die Vorteile einer Zirkumzision die Nachteile. Ob die Zahlen in dieser Form stimmen, ist für Nichtfachleute nur mit größerem Aufwand zu überprüfen. […] Voß’ Argumentation [bereichert] mit seinem kritischen Blick auf die Auseinandersetzung um „medizinische Definitionsmacht“ die Debatte. […] Çetin & Wolter gehen davon aus, dass die ganze Kontroverse von „einem ehrgeizigen Juristen, der sich einen Namen machen wollte“, lanciert wurde. Indem die Beschneidung in Frage gestellt werde, habe dies für Juden und Muslime zur Folge, „entweder illegal zu handeln oder das Land zu verlassen“. Die ganze Diskussion sehen sie als „neue Eskalationsstufe des Diskurses der ‘Integration’“, der darauf hinauslaufe, „dass die Realität von Migration in Deutschland nichts zu suchen habe“. […] [Zülfukar Çetin und Salih Alexander Wolter] operieren mit dem Begriff des „Antimuslimischen Rassismus“, halluzinieren homogene Kollektive und gehen von der Identität von Muslim/in und Migrant/in aus. Welch bizarre Blüten das Denken in diesen Kategorien hervorbringt, zeigt das im aktuellen Heft der Zeitschrift konkret veröffentlichte Interview mit dem Sozialwissenschaftler Vassilis Tsianos.“ Zur vollständigen Rezension: http://hpd.de/node/14968

Übersicht über die bisher erschienenen Rezensionen.

Das Buch „Interventionen gegen die deutsche „Beschneidungsdebatte“" ist überall im Buchladen und beim Verlag Edition Assemblage erhältlich.

taz-Rezension zu „Interventionen gegen die deutsche „Beschneidungsdebatte“

Sonja Vogel hat in taz.die tageszeitung den Band „Interventionen gegen die deutsche „Beschneidungsdebatte“" sehr positiv besprochen. Unter dem Titel „In den Hosen der anderen“ zeichnet die taz-Kolumnistin die deutsche Beschneidungsdebatte und die dort geäußerten Vorannahmen Mehrheitsdeutscher nach. Vogel schreibt u.a.:

„Zülfukar Çetin und Salih Alexander Wolter fragen, warum ausgerechnet jene, „die über einen mehrheitsdeutschen Hintergrund verfügen, unentwegt über den Verlust der Vorhaut klagen (können), die sie selbst in der Regel besitzen“ […]. Hinter dem Pochen auf das universelle Recht auf „körperliche Unversehrtheit“ lauert nach ihrer Darstellung der Paternalismus gegenüber den Partikularisierten. Es heißt: Wir, die Aufgeklärten und ihr, mit eurer Bringschuld gegenüber unserer fortgeschrittenen Gesellschaft.

Die Blindheit gegenüber einer Realität der Ausgrenzung, die eisern regelt, wer über was sprechen darf, entlarvt die Sprecher selbst als deren Nutznießer. Schließlich bewegen wir uns in einem Kontext, in dem die christlich säkularisierte Mehrheit die „jüdisch-christliche Tradition“, die sie nun aufkündigt, erst konstruiert hatte – um eine lange Tradition des Antisemitismus vergessen zu machen – in dem sich die antiislamische Kulturkampf-These etabliert hat.“

Zum vollen Text von Sonja Vogel.

Übersicht über die bisher erschienenen Rezensionen.

Terminhinweis – Buchvorstellung und Diskussion in Leipzig: 4. Februar (19:00 Uhr), Leipzig: Universität, Referat für Gleichstellung, in Kooperation mit linXXnet e. V.: „Die deutsche Beschneidungsdebatte: Antisemitismus – Rassismus – Atheismus“ – Infos!