Archiv für April 2012

Spiegel: „Die heutigen Geschlechter-Klischees sind mehr als 200 Jahre alt. Die Forschung hat sie längst als Unsinn entlarvt – doch bis heute schaden sie Männern und Frauen.“

Bei Spiegel online ist ein durchaus lesenswerter Artikel von Christoh Kucklick, Autor_in des Buches „Das unmoralische Geschlecht“ erschienen. Im Aufriss des Beitrags heißt es: „Männer: machthungrig, gewaltbereit, egoistisch. Frauen: einfühlsam, kommunikativ,friedfertig. Die heutigen Geschlechter-Klischees sind mehr als 200 Jahre alt. Die Forschung hat sie längst als Unsinn entlarvt – doch bis heute schaden sie Männern und Frauen.
[…] Um zu üben, ein Vorschlag: Wir verordnen uns ein Jahr Pause. In dieser Zeit darf Geschlecht nicht zur Erklärung der Komplexitäten unserer Welt herangezogen werden. Keine Sätze mehr, wie „Männer haben die Finanzkrise erzeugt“ oder „Frauen sind die Lösung für globale Herausforderungen“. Keine Aussagen mehr, die mit „Männer sind…, Frauen sind…“ beginnen. Ein Jahr, in dem wir uns diese Simplifizierung verkneifen. Und danach schauen wir mal, ob wir sie vermissen.
Und hier ist der Beitrag – Spiegel.

Rezension von „Geschlecht“ bei Queer.de

Matthias Zaft rezensierte „Geschlecht: Wider die Natürlichkeit“ äußerst elegant bei www.queer.de. Dort schreibt Matthias Zaft unter anderem:

„Dass die Herausarbeitung einer historischen und gesellschaftlichen Bedingtheit von Zweigeschlechtlichkeit nicht reiner Selbstzweck ist, wird deutlich, wenn Heinz Jürgen Voß die Verbindungslinien zwischen Geschlecht und gesellschaftlicher Rolle und Position aufzeigt. Hierzu begibt er sich in durchaus gute Gesellschaft mit Simone de Beauvoir, deren Protest gegen ein „biologisches Schicksal“ von Voß durchweg elegant mit trockener Munition versorgt wird. Ob, und auf welche Weise ihm dies gelingt, lohnt sich selbst herausfinden. „

Zur Besprechung bei queer.de.

Eine Übersicht über die bereits erschienenen Rezensionen findet sich hier.

„Hilfe, ein Junge im Rock“ – Genderkolumne im Freitag zu Geschlechtsidentität

Ein sehr lesenswerter und – dem Genre entsprechend – locker geschriebener Artikel findet sich als „Genderkolumne“ im Freitag. Dort diskutiert Katrin Rönicke den Sammelband Gehirn und Geschlecht, hrsg. unter anderem von Lautenbacher. Rönicke schreibt u.a.: „Gesamtthema […] Geschlechtsidentitätsstörung (GIS)[:] Was ist das: Eine Störung der Geschlechtsidentität? Wie prägt sie sich aus, wie diagnostiziert man sie? So habe zum Beispiel KJ Zucker 1999 herausgefunden, dass Kinder mit einer GIS die Geschlechter mit einer geringeren Wahrscheinlichkeit richtig benennen als Kinder ohne GIS. Ich zucke mit den Schultern. Na und? Ist das schlimm?“ Und der Beitrag findet sich hier.

Pressemitteilung von Zwischengeschlecht.org – Proteste gegen geschlechtsvereindeutigende (und übrigens medizinisch nicht notwendigen) Eingriffe in Marburg und Gießen

„Senatsdebatte • Mahnwache • Infoveranstaltungen • So 22. – Mi 25.04.

Jeden Tag wird in Deutschland in einer Kinderklinik mindestens ein wehrloses Kind irreversibel genitalverstümmelt – auch im Universitätsklinikum Gießen und Marburg (UKGM).

Die Mediziner nennen es „korrigierende“, „angleichende“ oder „rekonstruktive Eingriffe“. Überlebende Betroffene berichten von Genitalverstümmelung und uneingewilligten Zwangsoperationen, von Zwangskastrationen und medizinischer Folter und fordern ein gesetzliches Verbot.

Namhafte Menschenrechtsorganisationen verurteilen das den Betroffenen angetane Unrecht, ebenso der Deutsche Ethikrat und das UN-Komitee gegen Folter. Letzten Montag, den 16.04.2012 beschloss die Philipps-Universität Marburg, medizinisch nicht notwendige Genitaloperationen an Minderjährigen aufzuarbeiten. Kommenden Mittwoch debattiert der Senat der Justus-Liebig-Universität Gießen über einen entprechenden Antrag.

Gängige kosmetische Genitaloperationen gehören auch am Standort Gießen des UKGM zum aktuellen Behandlungsangebot und werden in Publikationen unverändert „im ersten Lebensjahr“ propagiert. Dies dokumentiert die Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org in einem Offenen Brief, der Verantwortlichen des UKGM am kommenden Sonntag überreicht wird.

Das Universitätsklinikum Gießen leugnet rundheraus, kosmetische Genitaloperationen an Kindern und Jugendlichen durchzuführen – und verbietet der Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org die traditionelle Mahnwache vor dem Haupteingang.

Wir werden trotzdem bei diesen täglichen Genitalverstümmelungen vor unserer Haustüre nicht mehr länger tatenlos zusehen!

Zwischengeschlecht.org lässt sich das Recht nicht nehmen, mit Unterstützung durch Studierende am kommenden Sonntag vor dem Universitätsklinikum Gießen friedlich der Opfer „eines der dunkelsten Kapitel der Medizingeschichte“ (Apotheken-Umschau) zu gedenken und ihnen eine Stimme zu verleihen – gegen die GenitalabschneiderInnen sowie gegen die Untätigkeit von Politik und Justiz bei diesem fortdauernden Verbrechen gegen die Menschlichkeit:

FRIEDLICHER PROTEST + ÜBERREICHUNG OFFENER BRIEF
So 22.4.2012 14-17 h – vor dem Universitätsklinikum Gießen
Mobile Mahnwache rund um das Klinikum mit Umzug von einem Kundgebungsort zum andern:
- 14-15 h: Ecke Schubertstr./Gaffkystr. (draußen vor Hauptpforte)
- 15-16 h: Ecke Frankfurter Str./Klinikstr. (draußen vor Haupteingang)
- 16-17 h: Ecke Friedrichstr./Rudolf-Buchheim-Str. (draußen vor Kinderurologie und Kinderklinik)

Und am Dienstag öffentlich über „kosmetische“ Genitalverstümmelungen in westlichen Kinderkliniken inkl. UKGM informieren:

INFOVERANSTALTUNG GIESSEN
Di 24.4.2012 19 h – Evangelische Studierendengemeinde, Henselstraße 7, 35390 Gießen

Zwischengeschlecht.org freut sich ganz besonders, dass am kommenden Montag auf Initiative von Studierenden der Justus-Liebig-Universität Gießen zum zweiten Mal in Deutschland der Senat einer Universität über eine Stellungnahme zu kosmetischen Genitaloperationen an Kindern und Jugendlichen beraten wird:

SENATSSITZUNG JUSTUS-LIEBIG-UNIVERSITÄT GIESSEN
Mi 25.4.2012 14:15 h
Behandlung Antrag: „Stellungnahme des Senats zu kosmetischen Genitaloperationen im Universitätsklinikum Gießen / Marburg an Kindern und Jugendlichen“

Weiterer Termin:

INFOVERANSTALTUNG MARBURG
Mo 23.4.2012 19 h – Philipps-Universität Marburg, Hörsaal 115 (+1/0120)
Hörsaalgebäude, Biegenstraße 14, 35037 Marburg

Wir danken allen, die vor Ort dazu beitragen!

Die Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org fordert ein Verbot von kosmetischen Genitaloperationen an Kindern und Jugendlichen sowie „Menschenrechte auch für Zwitter!“.

Betroffene sollen später selber darüber entscheiden, ob sie Operationen wollen oder nicht, und wenn ja, welche.

Freundliche Grüße

n e l l a
Daniela Truffer
Gründungsmitglied Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org“

Weiter: www.zwischengeschlecht.org