Archiv für Januar 2012

Jakob Pastötter auf „TheEuropean“ zu wissenschaftlicher und populärer Evolutionspsychologie, „Krieg der Spermien“

Krieg der Spermien – Wissenschaft und Evolutionspsychologie stehen im Konflikt: Letztere wird dazu benutzt, männliches Verhalten zu legitimieren.“ U.a. schreibt Pastötter: „Hier lässt sich einer der wesentlichen Unterschiede zwischen wissenschaftlicher und Populär-Evolutionspsychologie erkennen: Ersterer geht es immer um die Spezies, um die Gattung als Ganzes in ihrer zeitlichen Entwicklung und Überlebensfähigkeit, Letzterer bloß um die Legitimation der individuellen (bemerkenswerterweise meist männlichen) Promiskuität.“ zum Beitrag

Ebenfalls lesenswert:

Volkmar Sigusch: „Let’s talk about sex baby“

Kerstin Palm: „Die Natur der Schönheit – Kritische Betrachtungen zur evolutionstheoretische Attraktivitätsforschung“ Zum Vortrag UND Zum Lesen

Sigrid Schmitz: „Niemand weiß, ob eine Frau oder ein Mann das Werkzeug erfunden hat“ ZEIT Online

Prof. Richter-Appelt zu Behandlungen transsexueller Kinder

Im Interview mit der zeitschrift TAZ äußerte sich Prof. Richter-Appelt (Hamburg):

Viele erleben die Pubertät als Qual

GESCHLECHT Die Sexualmedizinerin und Psychoanalytikerin Hertha Richter-Appelt vom Hamburger Universitätsklinikum befürwortet unter Umständen Hormonbehandlungen von transsexuellen Kindern“

Richter-Appelt führt dort u.a. aus: „Das gesellschaftliche Klima ist gar nicht mehr so häufig das Problem. Die Umwelt reagiert heute oft erstaunlich gelassen. Da haben wir alle zusammen etwas dazugelernt.“

Das vollständige Interview.

Guter Beitrag zu Intersex mit verschiedenen Interviews bei Deutschlandfunk „Studiozeit“

Intersex war Thema eines Beitrages der gestrigen (26.1.) „Studiozeit“ im Deutschlandfunk. Ingeborg Breuer hat für den Beitrag bei der Dresdner Tagung „Transgender und Intersex in Kunst, Wissenschaft und Gesellschaft“ zahlreiche Interviews geführt – mit Ins A. Kromminga, Stefan Horlacher, Susanne Schröter, Hertha Richter-Appelt und Heinz-Jürgen Voß. Herausgekommen ist ein Beitrag, der der Heterogenität der Ansichten gerecht wird und weiter dazu beiträgt, Menschen in ihrer Individualität anzuerkennen.

Der Beitrag kann hier gehört und heruntergeladen werden.

Hier ist er nachzulesen.

Michael Wunder, Mitglied des Ethikrates, im ARD-Nachtmagazin: „die Natur ist so.“

„Intersexualität ist keine Krankheit. … Wir alle, die wir in dieser Gesellschaft leben, müssen uns einfach daran gewöhnen, dass es die anderen gibt. Die, die nicht Mann sind und nicht Frau. Die entweder beides sind oder keins von beiden. Die haben eine eigene Geschlechtlichkeit. … Man muss schlicht sagen: die Natur ist so.“ (ARD Nachtmagazin 19.1.2012; vgl. auch Bericht bei boell.de)

Dokumentation der Tagung in Dresden: Trans* und Inter*: Geschlechtsidentitäten in Kunst, Wissenschaft und Gesellschaft (Jana Mittag bei boell.de)

„Auf der Internationalen Konferenz „Transgender und Intersex in Kunst, Wissenschaft und Gesellschaft“ kamen erstmals im deutschen Sprachraum verschiedenste Disziplinen und Akteur_innen zu den Themen Transgender und Intersex zusammen. Inhaltlich wurde deutlich: Vor allem im menschenrechtlichen und ethischen Bereich wurden in den letzten zwei Jahren große Fortschritte in Richtung Antidiskriminierung und Selbstbestimmung für Trans* und Inter*Menschen erzielt. Allerdings sollte nun vor allem die Medizin dringend ihren Anspruch auf vermeintlich eindeutige Geschlechtsklassifikation überdenken und geschlechtsverändernde Maßnahmen im Kindesalter mit dem Ziel einer „eindeutigen Geschlechtszuweisung“ dringend einstellen. In jedem Falle sollten die Bedürfnisse von Trans* und Inter*Menschen im Mittelpunkt stehen und eventuell gewünschte Behandlungen von den Betroffenen nach dem Prinzip des informed consent selbst gewählt werden. Im Austausch der Disziplinen und ihrer Forschungsmethoden wurde auch ersichtlich, dass Transgender und Intersex vom Forschungsobjekt zum Subjekt und zu selbst Forschenden werden wollen sowie „Expert_innen in eigener Sache“ sind. Dafür hält die partizipativ orientierte, sogenannte „betroffenenkontrollierte“ Forschung vielversprechende Ansätze bereit.“ weiter hier, bei boell.de

Unterstützen! Zwangssterilisation in Schweden beenden – „Stop forced sterilization in Sweden“

Sign here!

If you are a transgender person in Sweden today looking to legally change your gender, in the 21st century you are still forced to undergo surgery that will render you permanently infertile and forever unable to have children. This barbaric practice of forced sterilizations has to stop!

The majority of the Swedish parliament is in favor of modifying this law – but up until now Prime Minister Fredrik Reinfeldt has let a small conservative party block this long awaited reform.

Let’s make sure the Prime Minister knows that the majority of Sweden, and Europe – wants to see Sweden on the right side of history – by eliminating this archaic practice.

Please take one minute to sign this urgent letter to the Prime Minister of Sweden asking him to stop playing politics with the fundamental human rights of Swedish citizens. Our friends at RFSL, the Swedish LGBT Federation, will deliver your signatures directly to the Prime Minister’s office.

taz zu Transsexualität im Kindesalter: „Wer wollte das rosa Einhorn? “

Lesenswerter Beitrag in der TAZ:

„Der kleine Alexander wollte schon im Kindergarten lieber Alexandra sein. Nun wünscht sich die Elfjährige eine Hormonbehandlung. Das Jugendamt ist dagegen.

„Hallo, ich bin Alex*.“ Das Mädchen, das lächelnd die Tür zu einer hübschen Altbauwohnung irgendwo in Berlin öffnet, hat lange blonde Haare, trägt enge Jeans und eine Bluse. Das soll ein Junge sein? Dieses liebliche elfjährige Wesen, das bereitwillig sein rosa Zimmer präsentiert, mit den weißen Möbeln und dem rosa Einhorn auf dem Bett?

Nein, nichts weist auf einen Jungen hin. Und doch ist Alex Geschlecht zum Kampffeld geworden. Alex ist transsexuell. Ein Mädchen mit den Geschlechtsmerkmalen eines Jungen. Und deshalb droht dem Kind jetzt die geschlossene Psychiatrie. Das Jugendamt möchte es einweisen.

Seit wann sie denn denke, dass sie ein Mädchen ist? Alex sieht einem in die Augen und fragt zurück: „Seit wann wussten Sie denn, dass Sie ein Mädchen sind? Schon immer!“ Für Alex ist die Lage klar. Als sie noch kurze Haare hatte, steckte sie sich einen Haarreif darauf, an dem zwei Wollzöpfe befestigt waren.“ zum vollen Beitrag

Interview bei DRadio Kultur

Interview bei DRadio Kultur – Thema: Intersexualität: wenn Menschen weder männlich noch weiblich sind – Heute beginnt in Dresden die Tagung „Transgender und Intersex in Gesellschaft, Wissenschaft und Kunst“ Gespräch mt Dr. Heinz-Jürgen Voß.

Beantwortet wird unter anderem die folgende Frage der DRadio Kultur Moderation: „Sie haben mit einer sexualwissenschaftlichen Arbeit promoviert, Herr Voß. Und diese Dissertation hat ziemlich Furore gemacht, nicht nur unter Fachkollegen, weil Sie darin die traditionelle Zuweisung des Geschlechts in männlich – weiblich ablehnen. Gibt es Ihrer Ansicht nach also keine eindeutigen biologischen Merkmale, die uns zu Mann respektive zur Frau machen?“

Hier das vollständige Interview zum Anhören (5Mb).

Offener Brief von zwischengeschlecht.org – Menschenrechte auch für Zwitter!

zwischengeschlecht.org
Menschenrechte auch für Zwitter!

O F F E N E R B R I E F

Sehr geehrte Organisierende, Vortragende, Teilnehmende und Sponsoren der internationalen & interdisziplinären Konferenz „Transgender und Intersex in Kunst, Wissenschaft und Gesellschaft“

Als Menschenrechtsgruppe, die sich seit 4 Jahren aktiv gegen die täglichen Genitalverstümmelungen in Kinderkliniken einsetzt, freuen wir uns, dass Ihre Konferenz ab heute in Dresden „die sozialen, politischen und rechtlichen Dimensionen“ von Intersex berücksichtigen will (Ankündigung) sowie „Betroffenen Gehör zu verschaffen und die Öffentlichkeit zu sensibilisieren“ (Pressemitteilung 9.1.12).

Als führende Wissenschaftler der Intersex-Forschung (Pressemitteilung 9.1.12) ist Ihnen in diesem Zusammenhang sicher bekannt,

• dass mindestens jedes 1000. Neugeborene mit „atypischen“ Genitalien auf die Welt kommt, und diese Kinder laut aktuellen Studien der Mediziner selbst heute noch zu 90% im Kindesalter „korrigierenden“ kosmetischen Genitaloperationen unterworfen werden, für die keine zwingende medizinische Indikation besteht,

• dass Betroffene solcher Operationen diese seit bald 20 Jahren als „immens destruktiv für die sexuelle Empfindsamkeit und das Gefühl für körperliche Unversehrtheit“, als „westliche Form von Genitalverstümmelung“, „medizinisches Verbrechen“ und „fundamentale Menschenrechtsverletzung“ anprangern,

• dass praktisch alle Organisationen von Betroffenen als erste und wichtigste Forderung von Beginn bis heute die sofortige Beendigung kosmetischer Genitaloperationen an Kindern einklagen.

Demgegenüber ist aus dem öffentlichen Auftritt der Konferenz zumindest für die Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org bisher leider nicht ersichtlich, wie die Konferenz

a) die Problematik der täglichen Verstümmelungen an Kindern mit „atypischen“ Genitalien angemessen berücksichtigen will, geschweige denn dazu „die Öffentlichkeit zu sensibilisieren“, sowie

b) welche Vortragenden eine Praxis zur konkreten Beendigung der täglichen Verstümmelungen ins Zentrum stellen oder anderweitig in der „politischen und rechtlichen Dimension“ dazu beitragen, diesbezüglich „Betroffenen Gehör zu verschaffen“. (mehr…)

Kapitalismuskritische Perspektiven im Anschluss an Volkmar Sigusch

Abstract:
Volkmar Siguschs 1984 erschienenes Buch „Die Mystifikation des Sexuellen“ bietet gute Anknüpfungspunkte, um die Eingebundenheit der Kategorien „Geschlecht“ und „Sexualität“ in die kapitalistische Produktionsweise verstehen und Ableitungen für emanzipatorisches Streiten treffen zu können. Zusammen mit weiteren – auch neueren – Arbeiten Siguschs ergeben sich Anschlussmöglichkeiten für die kapitalismuskritische und antikapitalistische Fortentwicklung feministischer und queer-feministischer Ansätze.

Der Beitrag findet sich bei kritisch-lesen.de