Bereits Ende Februar besprach Ferdinand Knauß das Buch „Making Sex Revisited: Dekonstruktion des Geschlechts aus biologisch-medizinischer Perspektive“

Auf seinem Blog „Geschlechtsverwirrung“ diskutiert Ferdinand Knauß das Buch und würdigt u.a.: „Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang die Dissertation eines jungen Vertreters der Gender & Science Studies. Heinz-Jürgen Voß hat Biologie studiert, wurde aber von dem Soziologen Rüdiger Lautmann promoviert. Finanziell unterstützt von der Rosa-Luxemburg-Stiftung der Linkspartei will Voß in seiner Arbeit den Nachweis geführt haben, dass es auch aus biologischer Perspektive kein „natürliches Geschlecht“ gebe. 26) Die molekularen Prozesse in Embryonen zeigten, so Voß, dass auch biologisch nicht nur zwei, sondern „viele Geschlechter“ denkbar seien. Ob Voß’ Darstellung unter rein epigenetischer Perspektive zutreffend ist oder nicht, das vermag ich nicht zu beurteilen. Es ist jedenfalls kein Geheimnis, dass der Mensch keine absolut und ausnahmslos geschlechtsdimorphe (zweigestaltige) Art ist, weder bezüglich der Zusammensetzung der Chromosomen, noch in Bezug auf Hormonhaushalt, Geschlechtsdrüsen oder äußere Sexualorgane. […] Der biologische Sinn von Männlichkeit und Weiblichkeit, ob bei Butterblumen, Wühlmäusen oder Menschen liegt in der Fortpflanzung. Wer die Ausbildung weiterer, unfruchtbarer Geschlechter zum Normalfall erklärt, muss dafür eine evolutionäre Erklärung anbieten können. Das tut Voß nicht. Wie könnte er es auch?“ Die vollständige Rezension findet sich hier.

Eine Übersicht über die erschienenen Rezensionen findet sich hier. Sie sind meist im Volltext zugänglich.

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9 Antworten auf “Bereits Ende Februar besprach Ferdinand Knauß das Buch „Making Sex Revisited: Dekonstruktion des Geschlechts aus biologisch-medizinischer Perspektive“”


  1. 1 Astrid 21. April 2011 um 10:22 Uhr

    Lieber Heinz,
    hast Du denn eine Hypothese, warum Zeugungsunfähigkeit so häufig vorkommt?

    Putzig übrigens, wie Knauß versucht, Dich zu diskreditieren, indem er Deine Stipendiengeberin so betont, oder? Wenn’s nicht so erbärmlich wäre, könnt ich mich glatt darüber kaputtlachen.

  2. 2 Heinz 21. April 2011 um 11:36 Uhr

    Hallo Astrid,

    ich finde an der Besprechung von Ferdinand Knauß eher bemerkenswert, dass er die Qualität der Arbeit zugestehen muss – und dann davon ausgehend seine Ansichten ausführt. Er schreibt einige würdigende Aussagen zu „Making Sex Revisited“, u.a. auch: „Die Arbeit ist ein seltenes Beispiel wirklicher Transdisziplinarität.“ – und Transdisziplinarität stellt er im Artikel für seine Einschätzung als besonders wichtig heraus.

    Forschungsförderung erhält man nun einmal vielfach über politische Stiftungen – und hier hat die Rosa-Luxemburg-Stiftung ein gutes Ansehen, gerade auch wegen guter Begleitung des Forschungsprozesses. In diesem Sinne würde ich annehmen, dass Ferdinand Knauß die Arbeit der Stiftung herausstellen wollte, auch diese wissenschaftliche Arbeit zu fördern – und das jenseits anderer Auffassungen, die er und ich vielfach haben.

    Das Zeugungsunfähigkeit durchaus nicht selten ist, ist darauf zurückzuführen, dass in Entwicklungsprozessen das Resultat eben nicht vorbestimmt ist. Variabilität ist Grundprinzip, so dass sich Genitalien unterschiedlich ausbilden. Einige Menschen sind damit organisch fortpflanzungsfähig (wiederum einige davon haben auch den Wunsch sich fortzupflanzen), andere sind organisch nicht fortpflanzungsfähig. In der Forschung sollte es darum gehen, zu verstehen wie Entwicklungsprozesse vor sich gehen – das Ergebnis zu problematisieren ist eher ablenkender Nebenschauplatz (war aber in der Vergangenheit leider oft der Fokus und ist es auch weiterhin nicht selten).

    Liebe Grüße
    Heinz

  3. 3 bigmouth 21. April 2011 um 12:07 Uhr

    das heißt, du würdest zurückweisen, „„Nothing in biology makes sense except in the light of evolution“ ?

  4. 4 Heinz 21. April 2011 um 12:45 Uhr

    Hallo „bigmouth“,

    nein, warum sollte ich Betrachtungen der Evolution zurückweisen. Ich bin hingegen gegen leere Floskeln der „Evolution“. „Evolution“ bedeutet seit dem 19. Jahrhundert, dass Prozesse stattfinden, dass Veränderungen möglich sind, dass eben nicht alles vorbestimmt ist – und dass gilt selbstverständlich auch für die Embryonalentwicklung, für die Ausbildung von Organen.

    Also ich schließe an C.F. Wolffs Betrachtungen zur „Epigenese“ an, an C. Darwins Ausführungen zur „Evolution“ – dann stelle ich das Denken aber nicht ein, sondern entwickle die Theorien auf dem heutigen Stand der Forschung konsequent weiter. Das heißt selbstverständlich auch, den Chauvinismus und Rassismus des ausgehenden 19. Jahrunderts abzustreifen.

    Kurz ausgeführt und auf „Entwicklung“ und „Evolution“ zugespitzt sowie selbstverständlich gesellschaftlich eingebunden findet sich das in dem kleinen Büchlein „Geschlecht“ ( http://www.schmetterling-verlag.de/page-5_isbn-3-89657-663-1.htm ).

    Liebe Grüße
    Heinz

  5. 5 Astrid 22. April 2011 um 10:54 Uhr

    Lieber Heinz,
    danke für Deine Antwort. Ich würde Knauß‘ ach so beiläufige Bemerkung über Deine Geldgeberin dennoch nicht so positiv sehen, da er erstens m.M.n. bewusst darauf verzichtet, die RLS als parteinahe Stiftung zu bezeichnen, und so den Eindruck erweckt, Du wärest direkt von der Linkspartei finanziert worden. Zweitens ist Deine Geldgeberin für seinen Zusammenhang vollkommen irrelevant. Warum weist er dann darauf hin? Weil er Deine Ergebnisse in eine von ihm und seinen Rezipienten nicht goutierte politische Ecke abschieben will. Aber das ist eigentlich auch nicht so wichtig.

    Zum Thema: Ich hatte darüber nachgedacht, ob eine verbreitete Zeugungsunfähigkeit nicht auch bestimmte Effekte haben muss. Anders gefragt: wenn es so viele zeugungsunfähige Lebewesen gibt, welche Funktionen können sie ausfüllen, außer zu sterben ohne ihre Gene weiterzugeben? Ich bin keine Biologin und bitte meine unwissenschaftliche Ausdrucksweise zu entschuldigen. Wenn das alles in Deinen Büchern steht, musst Du auch nicht antworten.

    Viele Grüße

  6. 6 Heinz 23. April 2011 um 10:46 Uhr

    Hallo Astrid,

    ich denke schon, dass die Bücher einiges Lesenswertes bereithalten. Zu Deiner Frage zunächst eine Gegenfrage: Warum sollte es so bedeutsam sein, dass sich jedes Individuum fortpflanzt? Wir sehen bei vielen Tierarten dass das keineswegs der Fall ist. Es geht um die Erhaltung der Art, dafür ist es lediglich erforderlicch, dass der Bestand erhalten bleibt und dass Variabilität möglich ist, damit „Anpassungen“ an mögliche Umweltveränderungen stattfinden können. Variabilität bedeutet aber eben auch gerade, dass Entwicklungsprozesse nicht vorbestimmt sind, dass zahlrieche Entwicklungen von Organen erfolgen können – das derzeit gängige Vorgehen, die Ausbildung einiger Organe als „Störung“ und „Abweichung“ zu deklassieren, wird einer einfachen Beschreibung der sich tatsächlich darstellenden Vielfalt nicht gerecht. Evelyn Fox Keller drückt sehr schön aus, dass Fragen in der Biologie sich gerade darauf richten sollten, wie eine geisse „Stabilität“ ermöglicht wird, bei Gleichzeitigkeit und basierend auf „Variabilität“ (ich empfehle ihr Buch: „Das Jahrhundert des Gens“). Kurz: Gattungseigenschaft Fortpflanzung bedeutet nicht, dass sich jedes Individuum fortpflanzen können muss – vielmehr reicht eine relativ kleine Zahl hierfür aus.

    …Und selbst Darwin schrieb in seinen Ausführungen keineswegs so simpel, wie es derzeit Populär-Evolutionisten tun: Er verwies darauf, dass gerade beim Menschen, soziale Faktoren bedeutsam sind. Nach seiner Auffassung hat sich der Mensch gerade durch soziale Elemente – wie die Aufnahme der Sprache – entwickelt, haben Moral, Normen, Sozialisation, aber auch gerade ökonomische Bedingungen wichtigen Einfluss auf das Zusammenleben und auch auf die Fortpflanzung und Betreuung von Nachwuchs.

    Zu Knauß: Ich kann nur empfehlen, ihn ggf. selber zu fragen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass er die Rosa-Luxemburg-Stiftung damit diskreditieren wollte, einerseits weil er die Bedeutung der so genannten „Begabtenförderwerke“ kennt und auch mit ihrer Zusammenarbeit vertraut ist und weil er nun selber beim Bundesministerium für Bildung und Forschung arbeitet und weiß, dass man Kooperationspartner_innen und Kund_innen nur in begründeten Ausnahmefällen angreift – und so bedeutsam, dass es sich in diesem Fall lohnen würde, ist meine Dissertation nun auch nicht; und zudem lobt er die Arbeit ja für ihre Qualität…

    Viele liebe Grüße
    Heinz

  7. 7 Astrid 04. Mai 2011 um 8:34 Uhr

    Lieber Heinz,

    nochmal vielen Dank für Deine Antwort und die Lesehinweise. Ich denke auch, dass die Idee, jegliches Leben sei auf die individuelle Fortpflanzung ausgerichtet, viel zu kurz greift. Mir scheint auch, dass gerade in der populärwissenschaftlichen Biologie viele Autoren (manchmal auch Autorinnen) große Angst davor haben, dass der Zufall bei allen biologischen Prozessen eine wichtige Rolle spielt. Da ist es dann doch einfacher, sich auf Papa Evolution zu berufen, der im Hintergrund die Strippen zieht.

    Planst Du eigentlich weitere Forschungsprojekte?

    Liebe Grüße,
    Astrid

  8. 8 Heinz 05. Mai 2011 um 11:08 Uhr

    Hallo Astrid,

    ja, es sind derzeit weitere Forschungsprojekte in Planung. Näheres werde ich dann auch auf www.heinzjuergenvoss.de einstellen. Im Moment laufen noch einige Vorarbeiten, daher an dieser Stelle noch nicht mehr.

    Liebe Grüße
    Heinz

  9. 9 Marcel 09. Februar 2012 um 11:28 Uhr

    Hallo, danke für diese Anregungen.

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