Archiv für Februar 2011

Dresden nazifrei! Nazis am 13.2. und am 19.2. in Dresden blockieren!

Aktuelle Informationen zu den Protesten finden sich hier:

Wieder Nazis in Dresden blockieren!

„Gender Medizin“ – emanzipatorisch oder?

„Denn Gender Medizin ist heute, so wie sie meistens kommuniziert wird, eigentlich eine „Sex Medizin”, wie Expert_innen kritisieren. Der Fokus liege häufig auf biologischen Unterschieden, nicht jedoch auf sozialen oder strukturellen Bedingungen, wie es der Begriff Gender nahelegen würde.“

Bettina Enzenhofer aus Wien hat einen differenzierten Beitrag zu Gender Medizin geschrieben. Enzenhofer arbeitet die Bedeutung solcher Betrachtungen heraus, thematisiert aber dabei auch, dass Gender Medizin Unterschiede nicht selten als quasi-natürlich voraussetze.

Der Beitrag findet sich hier, im Wiener Magazin an.schläge.

„Kinder ohne Vater?“ – Wissenschaft der Jungfernzeugung und die Reaktionen (ein Beitrag aus den 1950er Jahren)

Manchmal lohnt ein Blick zurück, um zu sehen, wie dicht verflochten Wissenschaft und öffentliche Reaktionen sind. So führten wissenschaftliche Berichte über Parthenogenese (Jungerfernzeugung) dazu, dass sich sofort mehrere Frauen melden, die „beteuerten, Mädchen geboren zu haben, ohne zu der fraglichen Zeit Umgang mit Männern gehabt zu haben“. Hier der Beitrag im Spiegel.

Umfassend geforscht zu Parthenogenese hat Kirsten Smilla Ebeling. In ihrem Buch „Die Fortpflanzung der Geschlechterverhältnisse. Das metaphorische Feld der Parthenogenese in der Evolutionsbiologie“ (NUT-Schriftenreihe Band 9, Talheimer Verlag) aus dem Jahr 2002 arbeitet sie die biologischen Theorien zu Parthenogenese für unterschiedliche Arten auf – und macht auch die androzentrischen Erwartungshaltungen der Wissenschaftler sehr deutlich.

Zu letzterem sei an dieser Stelle auch die Arbeit von Bonnie Spanier „Im/Partial Science: Gender Ideology in Molecular Biology“ (1995) empfohlen, die deutlich macht, wie selbst Austauschvorgänge von DNA bei Bakterien in der Molekularbiologie vergeschlechtlicht wurden, aus der eigenen Geschlechtswahrnehumg der Wissenschaftler heraus.

Merve Winter rezensierte „Making Sex Revisited“ in Phase 2

U.a. heißt es in der Rezension: Voß‘ Schlussfolgerungen „scheinen einleuchtend und sind politisch sympathisch. […] Statt von einer simplen Aufeinanderfolge der wirkenden Gene auszugehen, plädiert der Autor dafür, von großer Komplexität und Prozesshaftigkeit der beteiligten Faktoren auszugehen. Das Beharren auf dichotomen geschlechtlichen Vorstellungen in aktuellen biologisch-medizinischen Forschungen verstelle offene und möglichst vorurteilsfreie Interpretationen bezüglich des Geschlechts.“ Merve Winter, Phase 2, Nr. 38/2010, S.2-3 (der Literaturbeilage) --- Hier ist die volle Rezension online, im zweiten Teil der Doppelrezension

Eine Übersicht über die erschienenen Rezensionen findet sichhier. Sie sind meist im Volltext zugänglich.

Bundesverfassungsgericht bestimmt Regelungen des Transsexuellengesetzes als grundgesetzwidrig:

Eine der wichtigen Passagen – Mit „der dauernden Fortpflanzungsunfähigkeit hat der Gesetzgeber [im Transsexuellengesetz] eine unzumutbare Voraussetzung für die personenstandsrechtliche Anerkennung des empfundenen Geschlechts eines Transsexuellen gesetzt, soweit für die Dauerhaftigkeit der Fortpflanzungsunfähigkeit operative Eingriffe zur Voraussetzung gemacht werden. […] Die Fortpflanzungsfähigkeit des Menschen steht unter dem Schutz des [Artikel 2, Absatz 2 des Grundgesetzes] und ist Bestandteil des Rechts auf körperliche Unversehrtheit.“ (Abschnitt 68/69) --> Das volle Urteil beim Bundesverfassungsgericht.

Der Krieg der „Schwestern“ – nachgeholter Abschluß der Veranstaltungsreihe

“Sexuelle Gewalt in militärischen Konflikten: Männer und Frauen als Täter / Täterinnen und Opfer”
## Mittwoch, 16.03.2011, 19.00 Uhr, Pavillon (Hannover, Lister Meile 4)

Dr. Regina Mühlhäuser rückt in der Veranstaltung “Sexuelle Gewalt in militärischen Konflikten: Männer und Frauen als Täter / Täterinnen und Opfer” den zentralen Punkt in den Blick, der untrennbar mit Fragen um Geschlecht und Militär verbunden scheint. Es wird die sexualisierte, vielmehr sexuelle Gewalt in Konflikten gegenüber Frauen, Männern und Kindern thematisiert. Es werden Fragen nach den Opfern gestellt, – und es werden insbesondere die Täter und Täterinnen genau anvisiert: Wieso kommt es in militärischen Konflikten zu zahllosen sexuellen Übergriffen gegenüber der Zivilbevölkerung und gegnerischen Soldatinnen und Soldaten? Hängt dies mit soldatischen Identitäten zusammen, mit Machtbeweisen oder eigener Überforderung mit der gesehenen Gewalt? Ergeben sich hier möglicherweise Änderungen durch die Aufnahme von Frauen in Armeen, – und wenn ja, wie sehen diese aus? Nach dem Vortrag von Dr. Mühlhäuser wird ausreichend Gelegenheit für Diskussion sein.

Die Veranstaltung schließt die Reihe “Der Krieg der ‘Schwestern’ – Die neue Menschlichkeit des Militärs?” ab, die von Friedensbüro Hannover e.V. und DFG-VK Hannover, in Kooperation mit Stiftung Leben und Umwelt – Heinrich Böll Stiftung Niedersachsen und Rosa Luxemburg Stiftung Niedersachsen, veranstaltet wurde.

Weitere und aktuelle Informationen: www.frieden-hannover.de