NEUES BUCH in der Reihe theorie.org: „GESCHLECHT: Wider die Natürlichkeit“

Das Buch „Geschlecht: Wider die Natürlichkeit“ (ISBN 3-89657-663-1, 180 Seiten, 10 EUR) ist soeben in der feinen Reihe theorie.org des Schmetterling Verlags erschienen. Ich möchte Sie/Euch herzlich zur Lektüre und Diskussion einladen!

Geschlecht: Wider die Natuerlichkeit

In dem Buch wird klar und deutlich herausgestellt, dass Menschen und all ihre (unsere) Wahrnehmung stets schon gesellschaftlich sind. Anknüpfend an Karl Marx und Simone de Beauvoir wird diskutiert, warum uns diese Gesellschaftlichkeit so rasch entgleitet und wir bestrebt sind, Beobachtungen und Merkmale als „natürlich“ – vorgegeben und unabänderlich – zu erklären und sie damit unser Einflussnahme zu entziehen. Es wird deutlich, dass es für ein besseres Verständnis der Gesellschaftlichkeit der Menschen wichtig ist, Kapitalismuskritik und Geschlechtskritik zusammenzudenken. Da bislang selten geschehen, werden historische und aktuelle „biologische Theorien“ – auch sie sind Teil der Gesellschaft! – anschaulich und verständlich in ihrer Vielschichtigkeit diskutiert.

Das Buch ist ab sofort überall im Buchhandel erhältlich! Für ein Rezensionsexemplar wendet Euch/wenden Sie sich bitte an den Verlag oder an mich (voss_heinz[ättt]yahoo.de); auch übrige Diskussionsbeiträge, Anmerkungen und Kritiken sind sehr willkommen!

Die Verlagsinfos:

„Geschlecht: Wider die Natürlichkeit“ (Reihe theorie.org)
von Heinz-Jürgen Voß (180 Seiten, kartoniert)
Infos: beim Verlag / das Inhaltsverzeichnis
ISBN: 3-89657-663-1
Preis: 10,00 Euro

Klappentext:
Jahrhunderte lang wandten sich engagierte Frauen – und einige Männer – gegen die Annahme, dass Unwissenheit von Frauen und ihr Ausschluss aus Machtpositionen auf «natürliche» – vorgegebene und unabänderliche – geschlechtliche Unterschiede zurückzuführen sei. Sie kennzeichneten geschlechtliche Unterschiede als Produkt gesellschaftlicher Ungleichbehandlungen. Noch Simone de Beauvoir betonte: «Kein biologisches […] Schicksal bestimmt die Gestalt, die das weibliche Menschenwesen im Schoß der Gesellschaft annimmt.»
Hinter diese Forderungen wichen Feminismen der letzten Jahrzehnte zurück. Mit der Aufspaltung in biologisches Geschlecht (engl. «sex») und gesellschaftliches Geschlecht (engl. «gender») setzten sie biologische Geschlechterdifferenzen als gegeben voraus. Aus der unterschiedlichen Biologie von «Frau» und «Mann» dürften aber keine gesellschaftlichen Ungleichbehandlungen abgeleitet werden. Das Ziel der Gleichstellung wurde so nicht erreicht.
Ein Strategiewechsel ist nötig! Die Vorlage hierfür lieferte Judith Butler. Sie bezweifelte wieder «Natürlichkeit» und stellte klar, dass auch Körperlichkeit erst durch eine «Brille» gelesen wird, die durch individuelle Erfahrungen und Lernen in Gesellschaft bestimmt ist. Organe werden erst durch die Interpretation als «geschlechtlich» und durch ihre unentwegte Betonung und Wiederholung in dieser Rolle hergestellt und bestätigt.
Mit Butlers Ansatz erscheinen «Penis», «Hodensack», «Hoden» etc. noch als gesellschaftlich formulierte Bezeichnungen für tatsächlich vorhandene Organe. Hier widerspricht Heinz-Jürgen Voß. Er bereitet aktuelle Ergebnisse der Biologie anschaulich auf und zeigt wie selbst sie in Richtung vieler Geschlechter weisen. Indem er an Gedanken der Entwicklung anknüpft, rückt er den Menschen selbst in den Mittelpunkt, wo bisher die Kategorie und Institution «Geschlecht» fetischisiert wurden. Von hier aus ergeben sich gesellschaftskritische Forderungen im Anschluss an Karl Marx.

Rezensionen: hier

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1 Antwort auf “NEUES BUCH in der Reihe theorie.org: „GESCHLECHT: Wider die Natürlichkeit“”


  1. 1 Jenny 21. Januar 2011 um 23:20 Uhr

    Hallo Heinzi,
    ich lese gerade dein Buch. Bin jetzt auf Seite 52. Ich freue mich total, dass es Autoren wie dich gibt. Mir gefällt dein Buch, auch darum, weil es versucht den Menschen ganzheitlich zu betrachten.

    Ich bin von den historischen Quellen erstaunt. Dass die sich das überhaupt getraut haben, dass zu schreiben.

    Ich finde mich in vielem, was du schreibst, wieder. Gerade was die Bindung sozialer Herkunft an Bildung betrifft, habe ich, glaube ich, irgendwie Glück gehabt. Ich habe „Migrationshintergrund“, stamme aus armen Verhältnissen, aber das DDR Bildungsystem katapultierte mich während seiner letzten Zuckungen 1990 in die letzte S-Klasse für Drittklässler, welche wiederum den Grundstein für Gymnasium und Studium legte. Wer weiß, wie es gelaufen wäre, wäre ich weit nach der Wende eingeschult worden. Ich kann mich an viele Details aus meiner Kindheit erinnern. Geschlecht hat immer eine Rolle gespielt. Ich habe es meiner Indianer-vernarrten Mutter zu verdanken, dass sie mich davor bewahrt hat, eine Prinzessin zu werden. Mit 4 Jahren bekam ich einen Kurzhaarschnitt, der mir vor Augen führte, wie schön es sein kann, ein Junge zu sein. Denn ich wurde mit meinen kurzen Haaren oft für einen Jungen gehalten. Und ich habe sie in ihrem Glauben gelassen, um meine kurzfristig gewonnene Freiheit noch ein wenig zu genießen. Während meiner Kurzhaarzeit, sind die Erzieherinnen aus den anderen Gruppen (die mich also nicht kannten) wesentlich entspannter mit meiner Wildheit umgegangen, als ich es sonst so erlebt habe. Erstmals habe ich meine kleine Boy-Bande angeführt und sie zu allerlei Unsinn angestachelt. Ich konnte mich auch mal prügeln und körperlich kämpfen, ohne dass es irgendwie sonderbar war. Für körperliche Leistungen wurde ich erstmals gelobt, worauf ich sehr stolz war. Mir ist aber in diesem Alter bewußt gewesen, dass das alles irgendwie mit meinem plötzlichen männlichen Erscheinungsbild zusammenhing. Vorher war ich nämlich immer die Süße mit den langen dunklen Haaren, zu der man besonders nett war. Und es wurde immer vorausgesetzt, dass süss gleich lieb bedeutet. Natürlich habe ich auch diese Erwartung zum lieb sein müssen auch gespürt und mir Bravour erfüllt. In meiner Gruppe wurde ich bis Dato als gutes Beispiel gegenüber anderen Kindern zitiert. Bis der Tag kam, als die unfähige Friseurin mir meine schönen langen Haare abschnitt. Ich erinnere mich, wie wütend ich auf die Friseurin war, denn nun war ich nicht mehr das süße Mädchen. O-Ton Freundin von Mutti: „Ach herrje, du siehst ja aus wie ein Junge!“ Das war eine Beleidigung für mich, doch nach ein paar Tagen fühlte ich mich in der neuen Rolle ganz wohl. Die Haare sind wieder gewachsen, doch von nun an war mir immer bewusst, dass das Mädchen- und Junge-Sein nur ein Konstrukt von Außen ist. Zeit meines restlichen Lebens habe ich daher oft gegen Konventionen verstoßen, die ich nun bewußt als einengend auch wahrnehmen konnte. Ich bin froh, dass diese Erkenntnis weit vor der Pubertät in mir gewachsen war, sonst wäre ich wohl bis zur völligen Selbstaufgabe eine klassische Beispielfrau geworden, die nett und schön ist, die immer top modisch gekleidet ist (Mode ist Schwerstarbeit), die sich einen reichen Kerl geangelt hätte (Möglichkeiten dafür bestanden ja) und diesen nach besten Kräften unterstützt hätte.

    Gott sei Dank ist es anders gekommen!

    Ich bin mit mir und meinem Leben im Reinen, weil ich (weitestgehend) frei von geschlechtlichen Konventionen meine Wesensnatur ausleben darf; mit einem Mann, der das erst lernen musste.

    Ich freue mich auf die nächsten Kapitel in deinem Buch.

    Gruß Jenny

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