Archiv für September 2010

„Die sexuelle Selektion hat mit Natur nicht viel zu tun. Charles Darwin schrieb eigentlich Kulturgeschichte“, Riechelmann in TAZ (2009)

Da gerade um die Evolutionstheorien oft mehr Glauben als Wissen besteht, sei das folgende Essay wärmstens empfohlen: TAZ-Beitrag. Insbesondere sei auch auf das kleine Buch „Charles Darwin zur Einführung“ von Julia Voss verwiesen, mit dem man einen nüchternen Zugang zu Charles Darwins Betrachtungen gewinnt. Nicht umsonst warfen Antifeministen den Bestrebungen zur Frauenemanzipation unter anderem „darwinistische Schwärmerei“ vor. Darwins Theorien waren in verschiedene Richtungen anschlussfähig… Deshalb: Einfach auch die Schriften Darwins mal kritisch selber lesen!

DIE ZEIT zu Gehirn und Geschlecht: „Rosa Hirn und blaues Hirn? Nein, sagt die Neurobiologin Lise Eliot.“

Unter dem Titel „Was Mädchen zu Mädchen und Jungs zu Jungs macht“ veröffentlichte die Zeitschrift DIE ZEIT im Juni dieses Jahres einen Beitrag zur Neurobiologie von Geschlecht: „Rosa Hirn und blaues Hirn? Nein, sagt die Neurobiologin Lise Eliot. Rollenbilder und das Verhalten der Eltern machen den Unterschied – mit Folgen für die Entwicklung.“ …und hier gehts auf zeit.de weiter.

Eliot hat nun auch ein Buch herausgegeben: „Wie verschieden sind sie?: Die Gehirnentwicklung bei Mädchen und Jungen“; in der Kurbeschreibung heißt es: „Es gibt sie, die Unterschiede zwischen den Gehirnen von neugeborenen Mädchen und Jungen – sie sind jedoch verschwindend gering. Erst soziale Einflüsse aller Art verstärken sie derart massiv, dass die altbekannten Vorurteile über geschlechterspezifische Stärken und Schwächen entstehen. Lise Eliot zeigt, dass wir den Unterschied im Interesse unserer Kinder nicht zu einem großen werden lassen sollten, und liefert damit einen neuen Ausblick auf das Verhältnis der Geschlechter….“

Weitere gute Arbeiten zu Gehirn und Geschlecht sind:
Jordan/Quaiser-Pohl: „Warum Frauen glauben, sie könnten nicht einparken – und Männer ihnen Recht geben. Über Schwächen, die gar keine sind.“ (ISBN 3423344008; gebraucht ab 4 EUR) und
Schmitz: „Wie kommt das Geschlecht ins Gehirn? Über den Geschlechterdeterminismus in der Hirnforschung und Ansätze zu seiner Dekonstruktion“ (Online).

aus einer Rezension von „Making Sex Revisited“ in der Zeitschrift für Geschichtswissenschaft:

„Die kompakte Studie kann sowohl wissenschaftlichen Laien wie auch Natur- und Geisteswissenschaftlern gleichsam empfohlen werden. Sie dokumentiert nicht nur die Ebene eines bedeutenden (und bisher in dieser Ausführlichkeit kaum behandelten) biologisch-medizinischen Themenfeldes, sondern zeigt nebenbei auch Ebenen der Wissens- und Sprachkultur sowie des Umgangs miteinander, reflektiert verschiedene gesellschaftliche Verhältnisse oder Zwänge und dokumentiert natürlich auch den jeweiligen Forschungsstand zum Thema aus wissenschaftshistorischer Perspektive.“…

…heißt es in einer von Prof. Uwe Hoßfeld verfassten Rezension von „Making Sex Revisited“ verfasst in der „Zeischrift für Geschichtswissenschaft“ (Jg. 58, 9/2010, S.746/747).

Die Zeitschrift kann man hier beziehen, auch als Einzelheft: Metropol-Verlag
Eine Übersicht der weiteren Rezensionen – oft als Volltext zugänglich – von „Making Sex Revisited“ findet sich: hier
Weitere Informationen zum Buch finden sich beim Transcript-Verlag. Das Buch ist im Buchhandel erhältlich und findet sich in vielen Bibliotheken.

Östrogene sind auch Männersache.

„Früher galten sie als typisch weibliche Hormone. Nun sind sie ein Geheimtip auch für den alternden Adonis“ schrieb „ZEIT Wissen“ vor einiger Zeit. Grund genug, diesen Artikel hier zu verlinken, schließlich steht schon länger fest, dass Östrogene als auch Testosterone bei Frauen und Männern vorkommen und jeweils wichtige Bedeutungen haben – nur in das „populäre Wissen“ will das nicht so richtig rein…

Zum Artikel:
Östrogene sind auch Männersache

Weitere lesenswerte Beiträge zum Thema:
Ebeling, K. S. (2006b): Wenn ich meine Hormone nehme, werde ich zum Tier. Zur Geschichte der Geschlechtshormone. In: Ebeling, K. S., Schmitz, S. (Hrsg.): Geschlechterforschung und Naturwissenschaften – Einführung in ein komplexes Wechselspiel. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden, S.235-246.
Oudshoorn, N. (1994): Beyond the natural body: An archeology of sex hormones. Routledge, London, New York.
Sengoopta, C. (2006): The Most Secret Quintessence of Life. Sex, Glands, and Hormones, 1850-1950. The University of Chicago Press, Chicago, London.

Biologismus als quasi-religiöse Einstellung

„ich erlebe die völlige Machtlosigkeit der rationalen Argumentation. Es scheint egal zu sein, wie intelligent oder gebildet jemand ist: geschlechts-biologistische Meinungen werden offenbar so fest geglaubt, dass sie völlig von Begründungen loslösbar sind. Es handelt sich damit meiner Ansicht nach um quasi-religiöse Glaubenssätze.“

Ein weiterer äußerst lesenswerter Beitrag, den es lohnt aus der Versenkung der Blog-Landschaft zu holen…

Und hier gehts weiter: Biologismus als quasi-religiöse Einstellung

„ “Schon in den Siebzigerjahren war eine ‚naturgewollte‘ Geschlechterdifferenz für viele unerträglich.”, raunt Straßmann. “

Oftmals lohnt es sich, sich eine Weile in der Blog-Landschaft zu bewegen. So stieß ich auf einen netten Blog und einen guten – und auch humorvollen – Beitrag, den ich hier nicht vorenthalten will. Damit hab ich genug gesagt – und lade ich ein zum Lesen von:

“Ist sie zu stark, bist Du zu schwach.” Neues zur Geschlechterdifferenz.