Archiv für Juli 2010

TAZ: „Sex ist immer schon Gender. Der Kampf mit der Biologie“

„Sex ist immer schon Gender. Der Kampf mit der Biologie“

Andrea Rödig kommentiert bei taz.de ( hier ) die Bedeutung von (biologischem) Geschlecht im Leistungssport. / Problematisch ist: Wieder wird die Abwehr überkommener Geschlechterkonzepte auf dem Rücken eines Menschen ausgetragen. Ist das immer wieder nötig? / Aber immerhin gut aus Gender-Perspektive: Wenn auch sehr zaghaft, so kommt doch auch biologisches Geschlecht und seine gesellschaftliche Herstellung in den Blick. Immerhin schreibt Rödig: „Selbstverständlich ist die Unterscheidung in zwei „natürliche“ Geschlechter ideologisch.“ – Fügt aber sogleich aber nun allgemein zu „körperlicher Differenz“ und nicht zu Geschlecht an: „Aber es wäre genauso ideologisch, die körperliche Differenz als Konstrukt zu marginalisieren.“

In diesem Sinne durchaus lesenswert – und gleichzeitig die Anregung: Weiterdenken!

Ein Fall fürs Bundesverfassungsgericht: „Mindestens ein Hoden“, um Polizist sein zu dürfen

Absurditäten im Schilderwald: Einem hervorragend ausgebildeten Polizisten wird der Berufseintritt verwehrt, weil er keinen funktionstüchtigen Hoden hat… „Jetzt soll das Bundesverfassungsgericht klären: Machen erst die richtigen Hormone einen Mann diensttauglich?“ Weiter in der Frankfurter Rundschau

Rezension: Helga Satzinger (2009): Differenz und Vererbung – Geschlechterordnungen in der Genetik und Hormonforschung 1890-1950.

“ Helga Satzinger legt mit Differenz und Vererbung eine brillante und innovative Schrift vor, in der aus mehreren Perspektiven die „Geschlechterordnung in der Genetik und der Hormonforschung 1890 – 1950“ in den Blick genommen wird. Im Unterschied zu „ahistorischen Formeln und dazugehörigen großen monolithischen“ Abhandlungen (S. 37) wendet sich die Autorin in dieser materialreichen und gründlichen wissenschaftshistorischen Arbeit sowohl Theorien der Genetik und Hormonforschung als auch ihren Protagonist/-innen sowie den konkreten Forschungszusammenhängen zu. Das zeitliche Fenster reicht von der Beschreibung von Erbkörperchen in Zellen Ende des 19. Jahrhunderts bis zur Vorstellung der chemischen Struktur der DNA-Doppelhelix im Jahr 1953. Satzinger regt durch detaillierte Ausarbeitungen dazu an, weiterführende Fragen zur Bedeutung von Geschlecht in Forschungen zur Vererbung zu erschließen, und proklamiert gerade für die Genetik die Hoheit wissenschaftshistorischer Zugriffe: „Die Vorstellung von einem im Stoff der DNA niedergelegten Gen im Sinne einer Bauanweisung für ein Protein ist [heute] fraglich geworden und Genkonzepte generell sind zum Gegenstand der historischen Forschung avanciert.“ (S. 26) “
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