Archiv für April 2010

Geschlecht und Voodoo

Harald Martenstein schreibt häufiger Beiträge in vermeintlich linksliberalen Medien, die sich aber gerade bei Geschlechterfragen selbst als koservativer als die FAZ herausstellen. So im Tagesspiegel – und nun frisch auch in DIE ZEIT.

Dort schreibt er u.a.:
„Es gibt neue Religionen. Zwischen Männern und Frauen existieren, auch im Verhalten und im Alltag, eine ganze Reihe Unterschiede, die biologisch bedingt sind und nichts mit Gesellschaft zu tun haben, sie können auch nicht wegerzogen werden. Diejenige Strömung der Gender Studies, die diese offensichtliche Tatsache leugnet, hat etwa so viel mit Wissenschaft zu tun wie der Voodoo-Kult auf Haiti. Gender-Professorinnen sollten folglich nicht aus dem Wissenschaftsetat finanziert werden, sondern aus der Kirchensteuer.“ ( vollständig hier

Und eine kurze Antwort:
Lieber Harald Martenstein, ein durchaus amüsanter Artikel und er setzt eine ganze Reihe ähnlicher Artikel in ZEIT fort. Ist die ZEIT bei Gender-Fragen tatsächlich so konservativ wie der PAPST? Oder sind die Beiträge – so auch Ihrer – ironisch gemeint? In jedem Fall möchte ich Sie gerne auf „Making Sex Revisited: Dekonstruktion des Geschlechts aus biologisch-medizinischer Perspektive“ hinweisen ( Link ). Dort weise ich nach, dass die Biologie lange nicht nachweisen konnte, was der Geschlechtsunterschied eigentlich ist – und dass sie mittlerweile dort ankommt, dass es viele Geschlechter gibt. Mir scheint es so zu sein, dass das strikte Festhalten an zwei Geschlechtern einer Religion gleichkommt – und nicht die Kritik daran. Auf Anregungen von Ihnen, einen Verriss des Buches, eine Rezension oder auch eine fundierte Diskussion mit Ihnen wäre ich gespannt – und ich würde mich sehr darüber freuen. Herzliche Grüße! Heinz-Jürgen Voß