Out of print: Ein lesenswerter Artikel über schwulen und feministischen Imperialismus

[Mal nicht zu biologischem Geschlecht, aber wichtig! :]

Out of place: Schwuler Imperialismus - Gay imperialism

Mittlerweile ist es in der Bundesrepublik Deutschland fast schon Mode geworden, Argumente der „Frauenrechte“ und „Schwulenrechte“ (mehr als Schwule – bspw. Lesben, Transgender – werden meist nicht genannt) anzuführen, um militärisches Eingreifen und Krieg zu rechtfertigen. In jedem Fall erscheint es als legitim einen vermeintlich „zivilisierten Westen“ gegen andere Gesellschaften zu setzen.

Aus dieser zirkulär befestigten Denkstarre sollte bereits aufschrecken, wenn man von Roland Koch und Angela Merkel Argumente „für Frauenrechte“ und „für Schwulenrechte“ vorgeführt bekommt. Warum hat die rechte CDU, die sich gegen Eingetragene Lebenspartnerschaft stemmte (von anderen Lebensweisen ganz zu schweigen) und die nun bezüglich Eingetragener Lebenspartnerschaft jede Verbesserung blockiert, ein Interesse an „Schwulenrechten“? Warum hat die gleiche rechte CDU, die finanzielle Vergünstigungen aufrecht erhält und neue einführt, die traditionell die Erwerbsarbeit und finanzielle Unabhängigkeit von Frauen behindern – wie das Ehegattensplitting und die neue Herdprämie –, ein Interesse an „Frauenrechten“? …und warum gehen sonst emanzipatorisch argumentierende Leute feministischer und schwuler Bewegungen dieser CDU auf den Leim?

Das Interesse geht auf andere Motive zurück, die kolonialistischen Argumente eines vermeintlich „zivilisierten Westens“ verselbständigen sich in der Diskussion – und mittlerweile fallen die Argumente bei einer denkfaulen schwulen (aber auch bei einer lesbischen und einer sich als „queer“ bezeichnenden“) Community auf fruchtbaren, Abgrenzung gewohnten Boden. Viele in dieser schwulen Community merken gar nicht mehr, wie sie selbst an rassistischen Diskriminierungen mitarbeiten, dabei selbst nur Mittel zum Zweck sind und sie selbst daran teilnehmen auch die eigene Diskriminierung (Homophobie) aufrecht zu erhalten und zu befestigen.

Für diese Debatte wären die Beiträge aus dem britischen Buch „Out of place“ hilfreich, das aber mittlerweile schon wieder aus dem Druck genommen wurde (zu den Gründen vgl. u.a. hier, hier und hier). Ein wichtiger Beitrag ist aber online – und er sei wärmstens zur Lektüre empfohlen: hier – und wer lieber deutschsprachig liest und genauer zur Situation in der Bundesrepublik Deutschland lesen will, der- und demjenigen sei der Beitrag von Jin Haritaworn in „Verqueerte Verhältnisse“ (Rezensionen hier und hier) empfohlen.

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3 Antworten auf “Out of print: Ein lesenswerter Artikel über schwulen und feministischen Imperialismus”


  1. 1 Juli 22. Januar 2010 um 11:31 Uhr

    nicht schlecht fand ich in diesem zusammenhang ausnahmsweise auch mal einen artikel aus der taz:

    http://www.taz.de/1/debatte/theorie/artikel/1/ungebrochene-selbstidealisierung/

  2. 2 benjamin Leben 11. August 2011 um 12:46 Uhr

    Es ist schon krass, mit was für vorwände die politik manchmal kommt und eigentlich ganz andere Sachen durchsetzen bzw. auf die Tagesagenda bringen will. danke für den Artikel, immer wieder eine Ernüchterung, wenn man sowas liest

  1. 1 Mondschein: Mit Kindern geschlagen. Pingback am 20. November 2011 um 10:10 Uhr
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