Umzug auf www.dasendedessex.de

Liebe Leute, am 1. Juni 2013 ist dieses Blog umgezogen. Ihr findet es von nun an unter der Domain www.dasendedessex.de. Dort findet Ihr dann – wie gewohnt – regelmäßig Beiträge rund um Biologie und Geschlecht sowie zu konkretem Streiten gegen Gewalt im Zweigeschlechtersystem. Dort werden auch die Listen zu lesenswerter Literatur, zu Rezensionen, zu eigenen Büchern und Vorträgen weiter aktualisiert. Bitte aktualisiert eure Verlinkung auf: www.dasendedessex.de – lieben Dank! Liebe Grüße Heinz / Heinz-Jürgen Voß

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Buch NEU erschienen: “Queer und (Anti-)Kapitalismus”

Das Buch “Queer und (Anti-) Kapitalismus” ist nun erschienen und kann ab sofort beim Verlag bestellt und bei jeder Buchhandlung bezogen werden!

Voß, Heinz-Jürgen / Wolter, Salih Alexander:
Queer und (Anti-)Kapitalismus

Schmetterling-Verlag
1. Auflage 2013 / 160 Seiten / 12,80 EUR
ISBN 3-89657-061-7

Klappentext:
Die ‹Erfolgsgeschichte› der bürgerlichen Homo-Emanzipation in den westlichen Industriestaaten während der letzten Jahrzehnte fällt mit der neoliberalen Transformation der Weltwirtschaft zusammen. Während vor allem weiße schwule Männer Freiheitsgewinne verbuchen, kommt es zu einem entsolidarisierenden Umbau der Gesellschaft, verbunden mit zunehmend rassistischen Politiken im Innern; zugleich dient der «Einsatz für Frauen- und Homorechte» als Begründung für militärische Interventionen im globalen Süden. Dabei waren es schon 1969 in der New Yorker Christopher Street «[S]chwarze und Drag Queens/Transgender of colour aus der Arbeiterklasse», die den Widerstand gegen heteronormative Ausgrenzung und Gewalt trugen und «sich in Abgrenzung zu weißen Mittelklasse-Schwulen und [-]Lesben ‹queer› nannten, lange bevor deren akademische Nachfahren sich diese Identität aneigneten» (Jin Haritaworn). Doch auch hierzulande sind es die queer People of Color, die aktivistisch wie theoretisch gesamtgesellschaftliche Perspektiven jenseits des gängigen Homonationalismus entwickeln.
Im Band betrachten wir die aktuell viel diskutierten Ansätze einer ‹queer-feministischen Ökonomiekritik› vor dem Hintergrund queerer Bewegungsgeschichte. Wir zeigen mögliche Verbindungen zum ‹westlichen Marxismus› Antonio Gramscis, zum postkolonialen Feminismus Gayatri Chakravorty Spivaks, zu den «Eine-Welt›»Konzepten von Immanuel Wallerstein und Samir Amin auf. Wegweisend ist für uns ein intersektionales Verständnis, wie es Schwarze Frauen und queere Migrant_innen in der Bundesrepublik bereits seit den 1980er Jahren erarbeitet haben. Uns interessiert in diesem Band, wie Geschlecht und Sexualität – stets verwoben mit Rassismus – im Kapitalismus bedeutsam sind, sogar dort erst aufkommen oder funktional werden. Theoretisch, historisch und immer mit Blick auf Praxis untersuchen wir die Veränderungen der Geschlechter- und sexuellen Verhältnisse der Menschen unter zeitlich konkreten kapitalistischen Bedingungen. Wem nützen die geschlechtlichen und sexuellen Zurichtungen der Menschen im Kapitalismus, und was lässt sich aus den historischen und aktuellen Kämpfen für queere Kapitalismuskritik lernen?

Übersicht über bisher erschienene Rezensionen.

Weitere Informationen zum Buch.

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Radio „MDR Figaro“ zum Buch „Biologie & Homosexualität: Theorie und Anwendung im gesellschaftlichen Kontext“

Bei MDR Figaro – Das Kulturradio wurde zum Buch „Biologie & Homosexualität“ am heutigen 31. Mai 2013 ein Interview gesendet, das auch online nachgehört werden kann. In der Vorankündigung des Radios heißt es:

„Ist Homosexualität angeboren? Gibt es ein ’schwules‘ Gen? Oder gar eine homosexuelle Gehirnregion? Diese Fragen versuchen zahlreiche Studien seit Jahrzehnten zu klären – bislang ohne Erfolg. Dr. Heinz-Jürgen Voß wundert das nicht. In seinem Buch „Biologie & Homosexualität – Theorie und Anwendung im gesellschaftlichen Kontext“ wirft der Biologe einen Blick in die Geschichte und beleuchtet dabei, wie stark Sexualität und Wissenschaft verstrickt sind.“

Sendetermin: 31. Mai, 11:15 Uhr, bei MDR Figaro
Nachhören: mp3-Datei

Übersicht über bisher erschienene Rezensionen zum Buch.

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Veranstaltungen Juni 2013: Intergeschlechtlichkeit / Queer und Kapitalismuskritik / Interventionen gegen deutsche „Beschneidungsdebatte“ / Biologie und Homosexualität

Im Juni 2013 finden die folgenden Vorträge statt:
(Heinz-Jürgen Voß)

30. Mai, Weimar: IDAHO: “Die Auslöschung geschlechtlicher und sexueller Pluralität seit der europäischen Moderne“. Infos hier.

5. Juni, Saarbrücken: Universität des Saarlandes, im Rahmen der Reihe „Gender überall!? Einführung in die interdisziplinäre Geschlechterforschung“: „Das Ein-Geschlechter-Modell der „modernen“ biologisch-medizinischen Wissenschaften”. Infos hier.

6. Juni, Heidelberg: Campuscamp: „Intersex / Intergeschlechtlichkeit: Nach der (problematischen) Stellungnahme des Deutschen Ethikrates und den weiteren Entwicklungen ist weiteres Streiten erforderlich“. Infos hier.

7. – 9. Juni, Thüringen: e*camp – gegen kapitalismus und sein geschlechterverhältnis: 1) „Intersex / Intergeschlechtlichkeit: Nach der (problematischen) Stellungnahme des Deutschen Ethikrates und den weiteren Entwicklungen ist weiteres Streiten erforderlich“ / 2) „Queer & Kapitalismuskritik: Gerechte Gesellschaft machen wir!“. Infos hier.

11. Juni, Berlin: Sonntagsclub: „Die Auslöschung geschlechtlicher und sexueller Ambiguität“. Infos hier.

13. Juni, Erfurt: Universität Erfurt: „Inventionen gegen die deutsche ‚Beschneidungsdebatte‘“. Infos hier.

18. Juni, Oldenburg: Universität Oldenburg: „Das schwule Gen?“. Infos hier (Uni) und hier (Leporello CSD).

19. Juni, Kassel: Universität Kassel: „Intersexualität – Intersex: Eine Intervention – weiteres Streiten ist erforderlich!“. Infos hier und hier. Zuvor gibt es bereits Raum für Diskussion.

23. Juni, Jena: Antirassistische Tage des Referats für Menschenrechte: „Intersexualität“ (Klassifizierung und Gewalt gegen Menschen im Kontext der europäischen Moderne (der Durchsetzung kapitalistischer Verhältnisse))“. Infos folgen.

27. Juni, Marburg: Universität Marburg: „Gender und Geschlecht in der Medizin“. Infos hier.

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Neue Rezensionen zu „Interventionen gegen die deutsche ‚Beschneidungsdebatte‘“

In den Zeitschriften ZAG – Antirassistische Zeitschrift und Rosen auf den Weg gestreut sind Besprechungen des Buches Interventionen gegen die deutsche „Beschneidungsdebatte“ erschienen – hier kurz verlinkt:

In Rosen auf den Weg gestreut heißt es: „Mit Adorno, Horkheimer und Foucault arbeiten die Autoren die christliche Prägung des Konzepts der Religionsfreiheit, wie sie gegen die Beschneidung in Anschlag gebracht wird, heraus und kritisieren den normativen Anspruch der Wissenschaft in der kapitalistischen Gesellschaft. Im Alltag schlägt sich dieser in einem nicht nur fach-idiotischen Expertentum nieder […]. Der Band bietet wertvolle Argumente für Interventionen gegen den Antisemitismus und Rassismus, die in der Beschneidungsdebatte virulent geworden sind. Interventionen, die sich – auch wenn diese Debatte vorläufig vorbei ist – lohnen.“ (PDF-Volltext des insgesamt sehr empfehlenswerten Heftes)

ZAG – Antirassistische Zeitschrift bietet in Nummer 63 eine doppelseitige Schwerpunkt-Rezension von Andreas Nowak. Sie widmet sich zum Schluss den „Beschneidungsgegner_innen“ und fragt: „Was erhoffen sie sich durch die Abwertung anderer für sich selbst und welche Angebote machen sie an die Dominierenden und die Dominierten. Letztlich bleibt die Frage – und das ist die Gefahr – wie ihre Argumente in den dominanten Diskurs eingespeist werden und sich mit diesem amalgamieren, so dass diese Debatte womöglich nicht nur ein Sommertheater war, sondern eine tiefer greifende Veränderung der Diskurse und der Machtverteilung zuungunsten emanzipativer Kräfte bedeutet.“ Das Heft kann hier bestellt werden.

Übersicht über die bisher erschienenen Rezensionen.

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NS-Diagnose „Intersexualität“ – wichtige Anregung auf Zwischengeschlecht.org

Zwischengeschlecht.org hat sehr wichtig und richtig darauf hingewiesen, dass bezüglich der Behandlung von intergeschlechtlichen Menschen in der Nazi-Zeit bisher nicht geforscht wurde (Beitrag hier). Aus dem Blick blieb dabei auch, wie Mediziner und Medizinerinnen, die in der Nazi-Zeit Karriere gemacht hatten, diese oft nach 1945 fortsetzen konnten – selbst dann wenn sie direkt in Menschenversuche in Konzentrationslagern verstrickt waren oder in ihren Forschungen direkt von solchen Menschenversuchen profitierten. Zwischengeschlecht.org liefert dankenswerter Weise erste gute Ansätze – gerade auch Namen, auf die ein weiterer Blick lohnt, um tatsächlich den Anteil von ganz konkreten Medizinern und Medizinerinnen an Menschenversuchen in den Blick bekommen und die Biographien aufarbeiten zu können. Auch nach 1945 nahmen einige Medizinerinnen und Mediziner nicht nur schwere Komplikationen bei Geschlechtszuweisungen in Kauf, sondern auch häufige Todesfälle – direkt aufgrund von Infektionen und weiteren Komplikationen der Eingriffe oder solche durch Suizid, weil Menschen die Behandlungen nicht ertrugen. Wissenschaftliche Aufarbeitungen sind dringend nötig – vielen Dank Zwischengeschlecht.org und weitere Beteiligte für die ersten Recherchen!

(Das vielfach NS-Karrieren weitergingen und wie auch Menschenversuche stattfanden, lässt sich auch bzgl. Homosexualität zeigen: Hier wurden bspw. in der BRD der 1960er und 70er Jahre so genannte „stereotaktische Gehirnoperationen“ durchgeführt (vgl. dazu im Buch „Biologie & Homosexualität“) – auch hier stehen die Aufarbeitungen weitgehend noch aus, gibt es bspw. zu dem Göttinger Protagonisten Fritz Roeder noch keine Biographie.)

In diesem Sinne: Wer ein Thema für eine Diplom- oder Doktorarbeit sucht: Hier ist es dringend. Zumindest rückblickend könnte so eine Entnazifizierung von Wissenschaft betrieben werden.

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Neue Rezensionen des Buches „Biologie & Homosexualität: Theorie und Anwendung im gesellschaftlichen Kontext“

Es sind einige neue Rezensionen des Buches „Biologie & Homosexualität“ erschienen – hier kurze Auszüge:

Ulrike Kümel rezensierte „Biologie & Homosexualität“ auf Queer.de und schreibt unter anderem: „In seinem Band ‚Biologie & Homosexualität‘ beschäftigt sich Heinz-Jürgen Voß mit der noch immer ergebnislosen Forschung nach der ‚Ursache‘ der gleichgeschlechtlichen Liebe. [… Das Buch] bietet für Wissenschaftler_innen eine gute Arbeitshilfe. Es ist dennoch für interessierte Laien leicht verständlich, weil es gut gegliedert und lesbar geschrieben ist; zudem befindet sich am Ende eine ‚zusammenfassende Darstellung der zentralen Studien zur Biologie männlicher (und weiblicher) Homosexualität‘.“ Queer.de, hier online;

Gundula Hase schreibt in ihrer Buchempfehlung auf Die andere Welt: „Heinz-Jürgen Voß […] stellt heraus, dass Homosexualität historisch ein neues Konstrukt ist – Jahrtausende lang dachten Menschen weder heteronormativ noch zweigeschlechtlich, so dass keine Bedarf an der Erfindung einer homosexuellen Identität bestand. Es ist ein kleines und sehr kompakt geschriebenes Buch.“ Die andere Welt, hier online;

Zoltan Carnowasch schreibt als Rezension bei Amazon unter anderem: „Außergewöhnlich gut wird in diesem schmalen Band das ganze (populär-)wissenschaftliche Geschwafel rund um die Ursachen von Homosexualität hinterfragt, kritisiert und enttarnt.“ Und Gebirgsziege schließt an gleichem Ort an: „Das Büchlein ist zwar klein, gibt aber den aus meiner Sicht bislang fundiertesten Einblick in die biologischen Forschungen zu Homosexualität. Und es zeigt auch immer wieder, wie aus den Forschungsergebnissen medizinische Versuche abgeleitet wurden: Menschen wurden noch in der Bundesrepublik in Zwangssituation dazu genötigt, Eingriffe am Gehirn vornehmen zu lassen!“

Eine Übersicht über die bisher erschienenen Besprechungen findet sich hier.
Informationen zum Buch finden sich hier.

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Prozessbeginn in den USA – Intergeschlechtlichkeit (Intersexualität)

Im Folgenden ist die Pressemitteilung von Zwischengeschlecht.org vom 15. Mai dokumentiert:

Zwischengeschlecht.org
Menschenrechte auch für Zwitter!

P R E S S E M I T T E I L U N G

Gestern Dienstag reichten in South Carolina die Eltern des mittlerweile 8-jährigen Inters*x-Kindes M.C. Klage ein u.a. gegen die Medical University of South Carolina und individuelle ÄrztInnen wegen Durchführung irreversibler und medizinisch nicht notwendiger Genitaloperationen. Dies ist nach dem „Zwitterprozess“ von Christiane Völling von 2007 und dem kommenden Prozess in Erlangen weltweit die 3. Klage gegen Inters*x-GenitalverstümmlerInnen.
Morgen Donnerstag debattiert der Deutsche Bundestag in seiner 240. Sitzung als weltweit erstes Parlament in erster Beratung über 3 Anträge, die ein explizites Verbot von Inters*x-Genitalverstümmelungen fordern sowie eine umfassende Aufarbeitung der menschenrechtswidrigen aktuellen Praxis (TOP 19 a-c).

--> Ausführliche Informationen + Quellen via Weblog Zwischengeschlecht.info

Die Eltern Mark und Pam Crawford reichten die Klage im Namen von M.C. am 14. Mai 2013 nach über 2-jähriger Vorbereitung ein.

Das von den VerstümmlerInnen als „echter Hermaphrodit“ klassifizierte Kind M.C. war im Alter von 16 Monaten sog. „feminisierenden Genitalkorrekturen“ unterworfen worden, während es sich in staatlicher Pflegeunterbringung befand. Dabei wurde wie üblich gesundes Genitalgewebe ohne medizinische Notwendigkeit weggeschnitten und in den Mülleimer geworfen (Penisentfernung/“Klitorisverkleinerung“ plus Entfernung von Hodengewebe). M.C. lebt inzwischen als Knabe.

Die Klage auf Verstoß gegen die US-Verfassung sowie auf Verletzung der medizinischen Berufspflicht wurde gleichzeitig auf Staates- und auf Bundesebene eingereicht.

Die Beklagten haben laut Klage gegen die „Due Process“-Klausel der US-Verfassung verstoßen, in dem sie M.C. „einer medizinisch nicht notwendigen Operation unterwarfen, die M.C.s Körper veränderte und und seine Fortpflanzungsfähigkeit dauerhaft verminderte ohne Mitteilung oder einer Anhörung um sicherzustellen, dass die Behandlung in M.C.s bestem Interesse war“.

Es sei nicht ordnungsgemäß über die erheblichen Risiken der Operation aufgeklärt worden oder über die Möglichkeit, darauf zu verzichten. Schlimmer noch, es sei „nicht einmal darüber aufgeklärt worden, dass der Eingriff medizinisch gar nicht notwendig war“. M.C. sei durch die Operation „möglicherweise sterilisiert worden und seine s*xuelle Empfindungsfähigkeit in hohem Maße vermindert, wenn nicht gar gänzlich zerstört worden“ .

M.C.s Mutter Pam Crawford: „Indem sie diese nicht notwendige Operation durchführten, sagten der Staat und die Ärzte M.C., so wie er auf die Welt kam, er sei nicht akzeptabel und liebenswert. Sie entstellten ihn, weil sie ihn nicht akzeptieren konten, wie er war – nicht, weil er Operationen gebraucht hätte. M.C. ist ein liebreizendes, bezauberndes und widerstandsfähiges Kind. Wir werden nicht aufhören, bis wir Gerechtigkeit erlangen für unseren Sohn.“

Die Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org fordert ein Verbot von kosmetischen Genitaloperationen an Kindern und Jugendlichen mit „atypischen“ körperlichen Geschlechtsmerkmalen sowie „Menschenrechte auch für Zwitter!“.

Betroffene sollen später selber darüber entscheiden, ob sie Operationen wollen oder nicht, und wenn ja, welche.

Freundliche Grüße

n e l l a
Daniela Truffer
presse@zwischengeschlecht.info

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Neue Rezensionen von „Interventionen gegen die deutsche ‚Beschneidungsdebatte'‘“ und „Intersexualität – Intersex“

Es sind zwei weitere Rezensionen erschienen, eine zu „Interventionen gegen die deutsche „Beschneidungsdebatte“ in der Zeitschrift der Österreichischen HochschülerInnenschaft unique und eine zu „Intersexualität – Intersex: Eine Intervention“ in Querelles-net – Rezensionszeitschrift für Frauen- und Geschlechterforschung:

Hagen Blix schreibt in der unique (4/2013): „Im ersten Teil des Buches zeigen Zülfukar Çetin und Salih Alexander Wolter auf, dass das Verschmelzen von antimuslimischem Ressentiment und Antisemitismus in der Debatte kein Zufall ist. Die Grundstruktur der vorgebrachten Kritik ist von Argumentationsmustern einer protestantischen ‚Zivilisierungsmission‘ durchdrungen. […] Im zweiten Teil stellt der kritische Biologe Heinz-Jürgen Voß der ‚Wissenschaftlichkeit‘ der Beschneidungsgegner_innen eine Übersicht über medizinische Untersuchungen zur Beschneidung entgegen. Diese zeigen, dass deren Behauptungen so unhaltbar sind wie Vergleiche mit der Zwangsoperation Intersexueller oder weiblicher Genitalverstümmelung unangebracht und misogyn.“ zur vollständigen Rezension

Simone Emmert schreibt: „Die Intervention zu Intersexualität – Intersex erweist sich als ein kleines, aber feines Buch, das einen gelungenen Einstieg in die aktuelle politische Debatte gibt. Als besonders wertvoll lassen sich der Überblick und die Diskussion um die Ergebnisse der sogenannten Outcome-Studien ansehen; hieraus wird deutlich abgeleitet, dass geschlechtszuweisende chirurgische und/oder hormonelle Eingriffe intersexen Menschen eher schaden als nützen. Voß gibt damit eine der ersten wenigen publizierten kritischen Stellungnahmen aus wissenschaftlicher Aktivensicht ab. Das Buch ist flüssig und leicht verständlich geschrieben und macht Lust, sich weiter in das noch immer sehr konfliktbeladene und emotionale Thema um den Kampf auf Selbstbestimmung sowie um Respekt, Toleranz und Anerkennung von Vielfalt und Verschiedenheit einzulesen.“ Querelles-net (2/2013), zur vollständigen Rezension

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7. Mai: Ein Jahr nach dem Urteil des Kölner Landgerichts zur „Vorhautbeschneidung“ – der medizinethische Stand der Debatte

Wider besseres Wissen finden sich heute – es jährt sich das Urteil des Kölner Landgerichts, das im vergangenen Jahr für so viel Kontroverse sorgte – in größeren Tageszeitungen und übrigen Medien weiterhin fehlerhafte Informationen zu den medizinischen Fragen rund um die Vorhautbeschneidung bei Jungen. Daher haben sich Dr. Matthias Zaft und ich (Dr. Heinz-Jürgen Voß) entschlossen, die Publikation eines zur Veröffentlichung vorgesehenen Beitrags vorzuziehen: Der (medizinethische) deutsche Diskurs über die Vorhautbeschneidung.

Während sich der vollständige Beitrag als pdf-Datei unter diesem Link findet, werden im folgenden Auszug - Kapitel 2 des Aufsatzes - insbesondere medizinische und medizinethische Stimmen zur Frage der Vorhautbeschneidung dargestellt und dabei auch personelle Verbindungslinien zwischen juristischem und medizinischem Diskurs nachgezeichnet (die Quellenangaben finden sich in der pdf-Datei; dort wurden auch einige Passagen deutlicher hervorgehoben).

2. Politische und medizinische Reaktionen
Die Reaktionen aus verantwortlichen politischen Kreisen – insbesondere den Bundestagsfraktionen – waren deutlich und unaufgeregt. Im Juli äußert sich Bundeskanzlerin Angela Merkel klar: „Ich will nicht, dass Deutschland das einzige Land auf der Welt ist, in dem Juden nicht ihre Riten ausüben können. Wir machen uns ja sonst zur Komiker-Nation“ (vgl. Spiegel 2012). Selbst Alice Schwarzer, seit den letzten Jahren oft mit rassistischen Positionierungen gegen Muslima aufgefallen, nimmt in dieser Frage eine klare Position für die Religionsfreiheit von Muslim_innen und Jüd_innen ein: „Die Verurteilung der männlichen Beschneidung halte ich für eine realitätsferne politische Correctness.“ Im Weiteren hebt sie die gesundheitlichen Vorteile der Vorhautbeschneidung hervor: „Etwa jeder dritte männliche Mensch weltweit ist beschnitten. Und das nicht nur aus religiösen oder kulturellen Gründen, sondern auch aus hygienischen. Bereits 2007 rieten sowohl die Weltgesundheitsorganisation (WHO) als auch die UN dringend zur Beschneidung von Männern: als Prävention gegen Aids, Peniskrebs und Gebärmutterhalskrebs. Denn letzterer wird verursacht von einem verunreinigten männlichen Penis.“ (Schwarzer 2012)
Wichtige medizinische Kreise zeigten sich von dem Urteil erschüttert. Der Präsident der Bundesärztekammer Frank Ulrich Montgomery beurteilte das Urteil des Kölner Landgerichts als „für die Ärzte unbefriedigend und für die betroffenen Kinder sogar gefährlich“. Der Bundesverband der deutschen Urologen und – in gleichem Wortlaut – die Deutsche Gesellschaft für Urologie erklärte mit ähnlicher Sichtweise wie Montgomery und unter Verweis auf die begrenzte Reichweite des Kölner Urteils:

„Es handelt sich hier um eine sogenannte Güterabwägung, wobei das Gericht in der Urteilsbegründung selbst einräumt, dass auch die gegenteilige Auffassung vertretbar sei. Ein Gericht in München oder Hamburg könnte denselben Sachverhalt also durchaus anders bewerten. […] Endgültige Rechtssicherheit können nur ein höchstrichterliches Urteil oder der Gesetzgeber herbeiführen. […] Bei der Diskussion darüber, ob zukünftig rituelle Beschneidungen durch Ärzte rechtssicher durchgeführt werden können, sollte auch der Aspekt berücksichtigt werden, dass man rituelle Beschneidungen durch Gerichtsurteile in Deutschland nicht einfach abschaffen kann. Damit besteht die konkrete Gefahr, dass rituelle Beschneidungen vermehrt von medizinischen Laien durchgeführt werden.“ (DGU 2012, Juli) (mehr…)

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